Ortsgschichte Lommiswil

Restaurant Bären

Inhaltsverzeichnis

1890 – Der erste „Bären“ entsteht

Jakob Wingeier wurde 1855 auf dem Brüggli in Selzach geboren. Mit seiner Frau Elisabeth Hofer (1851 – 1931) lebte er mehrere Jahre lang auf der Schauenburg, wo auch die Zwillingssöhne Jakob und Adolf sowie Tochter, Anna (1879) zur Welt kamen. Später wechselte die Familie auf den Staalberg.

1891 verliess die Familie die geliebten Jurahöhen, um sich in Lommiswil niederzulassen. Jakob Wingeier eröffnete dort im Haus Nr. 67 an der Dorfstrasse die Wirtschaft zum Bären. Kurz zuvor hatte er das markante Wirtshausschild – einen Bären mit Hellebarde und Krug – vom Wirt des ehemaligen Gasthauses zum Bären an der Baselstrasse 83 in Solothurn erworben.

(Mehr zum „alten“ Restaurant Bären erfahren Sie auf der Seite „Familie Wingeier und ehemaliges Restaurant Bären“.)

„Altes“ Restaurant zum Bären in Lommiswil, J. Wingeier. Quelle: Marlis Bähler

1906 – Umzug in den neuen Bären

1906 zügelte Jakob Wingeier das Wirtshaus in das neu erbaute Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Ein Jahr zuvor, 1905, hatte Jakobs Tochter Anna Wingeier (1879 – 1949) den Uhrenmacher, August Meier (1878 – 1943) geheiratet. Dieser kaufte 1912 dem Schwiegervater die Landparzellen mit dem ehemaligen und neuen Restaurant Bären ab und übernahm fortan die Wirtschaft.

Kaufvertrag für Grundstück zwischen Jakob Wingeier und August Meier-Wingeier, 1912. Quelle: Marlis Bähler
Katasterpläne Lommiswil, Blatt Nr. 12, Geometer: Hermann Baumann.
Staatsarchiv Solothurn, Signatur: LB 38

Zum Restaurant Bären gehörte ein lauschiger Aussensitzplatz mit Bäumen. Neben dem Wohnhaus gab es einen wunderschönen Gemüse- und Ziergarten.

Auf dem Foto unten sind Mitglieder dreier Generationen ums Jahr 1920 beim Jassen zu sehen. Von links nach rechts: Elisabeth Wingeier-Hofer (1851 – 1931), Jakob Wingeier sen. (1855 – 1939), Jakob Wingeier jun., Sohn Ernst (1912 – ?), August Meier (1878 – 1943) und Anna Meier-Wingeier (1879 – 1949). Der Mann im Fenster ist unbekannt.

Jassrunde vor dem Restaurant Bären um ca. 1921

Wie damals üblich, führte die Wirtefamilie neben dem Restaurant auch einen kleinen Bauernbetrieb mit einer Kuh, Schweinen und Hühnern.

Lommiswiler Schulklasse im Jahr 1911 vor dem Restaurant zum Bären.
Wieso sie dort und nicht vor dem Schulhaus an der Hauptstrasse 15 posierten, ist unklar.

1916 – Neubau Scheune und Kegelbahn

Zehn Jahre nach dem Bau des neuen Restaurant Bären wurden Offerten für die Erweiterung durch eine neue Scheune und eine Kegelbahn eingeholt. Für die Arbeiten wurde über 9’200 Franken veranschlagt:

  • Zimmerarbeiten (Karl Guggisberg, Langendorf): 3’967.02 Franken
  • Maurerarbeiten (Emil Stüdeli, Bellach): 5’237.00 Franken

Was heute nach wenig klingt, war damals eine beachtliche Investition. Zum Vergleich: Ein einfacher Arbeiter verdiente damals nur rund 4 bis 6 Franken pro Tag. 

Rechnet man auf Basis des 4-Franken-Beispiels, dann entsprechen die Offerten ungefähr 2’300 Taglöhne, d.h. 7 bis 8 Arbeitsjahren, wenn man von rund 300 Arbeitstagen pro Jahr ausgeht.

  • Maurerarbeiten 5’237.80 Fr. = ca. 1’310 Taglöhne
  • Zimmerarbeiten 3’962.02 Fr. = ca. 991 Taglöhne

Offerte Zimmerarbeiten Scheune und Kegelbahn, 4. März 1916

Offerte Maurerarbeiten Scheune und Kegelbahn, 6. März 1916

Dass die Kegelbahn beliebt war, bezeugt eine Postkarte von August Meier an seine Tochter Anna, vom 1. November 1920. Er schreibt: „Liebes Anneli – Hier eine Karte (.) ein Brief folgt. Der Sau Kegelt ist sehr gut abgelaufen (.) wir haben 43 Kegler gehabt und ist alles gesund. Mit Grus von allen (,) der Vater“

Scheune beim Restaurant Bären in Lommiswil, 1920.
v.l.n.r: Elisabeth Wingeier-Hofer (1851 – 1931), Jakob Wingeier (1955 – 1939), August Meier (1878 – 1943), Jakob ERNST Wingeier (1912 – ?) und Anna Meier-Wingeier (1879 – 1949). Quelle: Marlis Bähler
Postkarte vom 1. November 1920 von August Meier (1878 – 1943) an seine Tochter, Anna Meier (1906 – 1994), im Welschland. Text: Lommiswil, den 1. November 1920

1943 – Bären-Anni übernimmt die Zügel

Restaurant Bären in Lommmiswil mit bemalter Fassade „Restaurant zum Bären, Meier-Wingeier“. Unbekanntes Datum. Quelle: Marlis Bähler

Nachdem August Meier 1943 einem Schlaganfall erlegen war, übernahm Tochter Anna von Burg-Meier (1906 – 1994) die Wirtschaft und führte sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1994.

Der Bär kehrt heim

Mehr als hundert Jahre später schloss sich der Kreis: Die Nachkommen des „Bären-Anni“ brachten das Wirtshausschild zurück an seinen ursprünglichen Standort an der Baselstrasse 83 in Solothurn. Dort ist der Bär bis heute an der Fassade des Hotels Bären zu bewundern.

Mehr zur Geschichte des Hotel Bären in Solothurn erfahren Sie auf https://www.baeren-solothurn.ch/de/hotel/geschichte/.

Impressionen 2023


Links: Ursprüngliche Standort des Restaurants Bären (1890 – 1905).
Rechts: Neubau von 1905 und spätere Lage.

Quellenverzeichnis

  • Flury, Erhard: Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt, Seite 230. Herausgegeben von der Bürgergemeinde Lommiswil, 1992.
  • Nachruf von Anna Meier-Wingeier, Solothurner Zeitung vom 11.3.1949, Nr. 59
  • Berechnung Taglöhne 1916: Statistisches Jahrbuch der Stadt Zürich, Bde. 1945-1981, http://www.hsso.ch (Zugriff am 4.4.26) und Historisches Lexikon der Schweiz.