Ortsgschichte Lommiswil

Kindheit in Lommiswil

Inhaltsverzeichnis

Heuete in Lommiswil

Aufgezeichnet am 10. Mai 2023

In dieser Audioaufzeichnung nimmt uns Vreni Salomon-Meyer mit auf eine Reise in ihre Kindheit in Lommiswil. Im Juni gab es eine Woche schulfrei, damit die Kinder den Bauern bei der Heuernte helfen konnten. Und im November mussten die Zuckerrüben vom Dreck befreit werden.

Trotz der harten Arbeit erinnert sich Vreni gerne an diese Zeiten: „Es war alles lustig, und man hat einander einfach geholfen. Eine Hand hat die andere gewaschen.“

Schüler in den Zuckerrüben, Chüemoos Lommiswil, unb. Datum.
Quelle: Hugo Schneitter

1953: Schwein muss man haben

Aufgezeichnet am 10. Mai 2024

Vreni Salomon-Meyer erinnert sich daran, wie ein aussergewöhnlicher Lottogewinn um das Jahr 1953 den Speiseplan ihrer zehnköpfigen Familie verändert hat.

Taucht mit uns ein in diese besondere Geschichte!

Audio: Vreni Salomon-Meyer, Mai 2024
Fotos: Siehe „Quellenverzeichnis“.

1950er: Allgemeinbildung bei Lehrer Mollet

Aufgezeichnet am 10. Mai 2024

Vreni Salomon-Meyer erzählt übers Fach „Allgemeinbildung“ bei Lehrer Emil Mollet in den 50er-Jahren.


Der folgende Artikel, verfasst von Marcel Weya, erschien in der Publikation „Der Sonntag“ vom 15. September 1963. Beim Bezirksschüler „Paulus“ handelt es sich um Paul Schaad aus Lommiswil.

1963: Bambys Flucht und Heimkehr

„Eine Tiergeschichte recht eigener Art weiß der Bezirksschüler Paulus aus dem Solothurnischen zu erzählen.

Im Heuet 1960 fand sein Vater beim Mähen von Heugras ein etwa zehn Tage altes Rehkitz, das leider schwer verletzt war. Der herbeigezogene Wildhüter äußerte die Meinung, das Tier sollte sofort abgetan werden. Paulus, ein Tierfreund mit Leib und Seele, hatte das hilflose, niedliche Wesen bereits so liebgewonnen, dass er sich entschloss, für das junge Tierleben zu kämpfen. Der Tierarzt wurde gerufen, und „Bamby“ erhielt regelmäßig die Milchflasche mit dem „Nuggi“ vorgesetzt. Bamby erholte sich von seinem Unfall, wuchs allmählich zum Grosstier heran, wurde immer zutraulicher und leckte seinem Pfleger regelmässig den Kopf. Eltern und Geschwister, ja die ganze Dorfbevölkerung freute sich, wenn Bamby seinem Meister auf Spaziergängen, ohne Leine, in voller Freiheit folgte und wieder mit ihm nach Hause kam.

Als Bamby etwa zwei Jahre alt und somit nicht mehr ein Kleinkind, sondern eine Jungfrau war, hatte es Sehnsucht nach dem andern Geschlecht – es war Brunstzeit! Für Paulus kam die große Enttäuschung. An einem Maienabend des Jahres 1962 blieb die Türe des Geheges ungewollterweise offen, und am andern Morgen war Bamby weg – auf Nimmerwiedersehen. Die folgenden Monate waren für Paulus und seine Familie eine schwere Zeit. Sie gaben die Hoffnung nicht auf. In der Tat meldete man im Herbst, es seien mehrfach verschiedene Rehe gesehen worden in der Nähe des Hauses. Das veranlasste den unermüdlichen Paulus, in den Anstrengungen nicht nachzulassen.

Als im November 1962 der erste Schnee im Tal gefallen war und wiederum Meldungen über Rehherden eingingen, organisierte Paulus mit drei weiteren Helfern eine systematische Suchaktion. Vor den südlich des Dorfes gelegenen Wäldern, also viele hundert Meter von zu Hause entfernt, entdeckten die Sucher eine Gruppe von vier Rehen. Paulus näherte sich mit Herzklopfen immer mehr den Tieren, seine Hände gefüllt mit Nahrung. War sein Liebling dabei oder nicht? Die Tiere blieben ruhig. Nun musste der entscheidende Moment kommen: Auf Paulus’ Ruf: „Bamby!“ entfernten sich drei Tiere fluchtartig in den Wald, das vierte aber blieb stehen, kam sogar näher und näher und genoss das dargebrachte Futter – es war Bamby! Gross war die Freude des Wiedersehens. Wie sollte man das Tier nach Hause gebracht werden? Eine Leine war nicht vorhanden. Es war auch nicht notwendig: Der Schützling folgte der mit Futter gefüllten Hand des Betreuers frei, zunächst über Feld und Wiesen, bald über die Dorfstrasse, an lärmigen Baumaschinen vorbei, bis in die alte Unterkunft.

Für Paulus, seine Angehörigen und die Dorfbewohner waren nun wieder sonnige Tage und Wochen angebrochen. Und so vergingen wieder Monate. Ebenso der strenge Winter 1962/63. Die Reihe freudiger Überraschungen Bambys war jedoch nicht abgeschlossen. Die Krönung des ganzen Geschehens sollte noch kommen, nach Monaten. Ganz heimlich hatte es für seine vielen Bewunderer in der Freiheit ein bleibendes Andenken mitgebracht. Bamby kam als erwartende Mutter zurück! Und am 15. Mai 1963, an einem stürmischen Nachmittag, schenkte Bamby in aller Stille im kleinen Stall drei gesunden Kindern das Leben!“

Marcel Weya


Quellenverzeichnis

Die hier verwendeten Medien wurden von den unten aufgeführten Quellen zur Veröffentlichung auf dieser Webseite genehmigt.

Titelbild

  • Walter Sägesser, ca. 1950. Quelle: Käthi Sägesser.

Audio „Heuete in Lommiswil

  • Sprecherin: Vreni Salomon-Meyer, aufgezeichnet am 10. Mai 2024
  • Foto: Erntezeit. Getreideernte. Bauern bei der Arbeit auf dem Feld. Herstellung: ASL-Fotoagentur Actualités Suisses Lausanne (1954 – 1999). Datiert nach Inschrift Aug. 1962. Link: https://permalink.nationalmuseum.ch/100514577
    Ausdrückliche Genehmigung von Ronja Eggenschwiler, Bibliothek/Bildarchiv Schweizerisches Nationalmuseum, LM-149824.2, 22.5.2023
  • Foto mit Kindern auf dem Zuckerrübenfeld: Hugo Schneitter

Audio: Schwein muss man haben

  • Foto: Magd beim Füttern der Schweine. PDL-Fotoagentur Presse Diffusion Lausanne (1937 – 1974). Datiert nach Inschrift April 1948. https://permalink.nationalmuseum.ch/100418308
    Ausdrückliche Genehmigung von Ronja Eggenschwiler, Bibliothek/Bildarchiv Schweizerisches Nationalmuseum, LM-149735.2.
  • Foto: Die Wurst. PDL-Fotoagentur Presse Diffusion Lausanne (1937 – 1974). Datiert Okt. 1955. Herkunft: ASL-Fotoagentur Actualités Suisses Lausanne (1954 – 1999). Datiert Okt. 1955. Herkunft: ASL-Fotoagentur Actualités Suisses Lausanne (1954 – 1999).
    Ausdrückliche Genehmigung von Ronja Eggenschwiler, Bibliothek/Bildarchiv Schweizerisches Nationalmuseum, SNM_ROH-3679_LM-119396.1

Audio „Allgemeinbildung bei Lehrer Mollet“

  • Foto Schulklasse 1917: Jürg Burkhalter
  • Foto Schulklasse 1934: Rita Iseli-Burkhalter
  • Foto Arbeitsschule 1929/1930: Vreni Salomon-Meyer
  • Foto Schulklasse 1926: Pius Hug

Geschichte „Bambys Flucht und Heimkehr“

  • Weya, Marcel: Bambys Flucht und Heimkehr. In: „Der Sonntag“, 15. September 1963. (Artikel erhalten von Paul Schaad.)