Ortsgschichte Lommiswil

Der Schmied

Inhaltsverzeichnis

  1. Standort der Schmitte
  2. Josef von Burg 1902 – 1973
    1. Der Experte für Problem-Pferde
    2. Heirat mit Röseli von Burg
    3. Stammgast im Rössli
    4. Mitglied der Hornussergesellschaft
    5. Tod 1973
  3. Quellenverzeichnis

Standort der Schmitte

Die Werkstatt von Dorfschmied, Josef von Burg, befand sich an der Hauptstrasse 8 in Lommiswil.

Die Schmitte wurde vom Josefs Bruder, Hermann von Burg (1903 – 1944) errichtet. (Dieser baute im Alleingang auch das alte Feuerwehrhäusschen!). Seine vorausschauende Idee, das Gebäude später einmal für Wohnzwecke umzunutzen, wurde viele Jahre später tatsächlich umgesetzt. Im Jahr 2022 wurde die Werkstatt in ein Wohnhaus umgebaut.

Josef von Burg 1902 – 1973

In diesem Video erzählt Peter von Burg von seinen Erinnerungen an den Schmied, Josef. Ton anstellen!

Der Experte für Problem-Pferde

„Der Schmied war einer der besten Hufschmiede weit und breit“, erinnert sich Peter von Burg. „Er hatte ein Händchen für die schwierigsten ‚Problem-Pferde‘ – sogar für die störrischen Exemplare im Militärdienst. Er hat in Balsthal beim Schmied Jeker die Lehre gemacht. Dort kamen jeden Tag Pferde von den Bergen zum Beschlagen.

Nicht selten musste er unter einem Pferd hindurch sprinten, um einem fliegenden Hammer seines Lehrmeisters auszuweichen, wenn dieser nicht mit seiner Arbeit zufrieden war. Das hat er oft erzählt.“

Josef von Burg, Schmied aus Lommiswil. Unbekanntes Datum. Quelle: Franz Flury

Wenn vom Berg zwei oder drei Pferde in die Schmitte in Lommiswil kamen, musste Josefs Frau Röseli (geb. 1912) mit anpacken, damit es speditiver ging.

„Als Kinder gab es für uns nichts Faszinierenderes, als den Männern in der Schmiede oder dem Schuhmacher bei der Arbeit zuzusehen“, erzählt Adolf von Burg. „Die Lederteile, die Werkzeuge – das war wie eine Schatzkiste für uns. Und der Geruch! Ein Mix aus Eisen, Leder und der Hitze der Schmiede. Ein wahrhaft unvergessliches Erlebnis.“

Schuhlöffel aus der Schuhmacherwerkstatt von Josef Flury, produziert vom Schmied, Josef von Burg (im Besitz von Franz Flury)
Josef von Burg, Schmied zu Lommiswil, 1902 – 1973. Quelle: Franz Flury
Schmiede auf dem Ballenberg. Foto: Simone Lewis

Heirat mit Röseli von Burg

Josef war mit Rosa (Röseli) von Burg (*1912) vom Restaurant Rössli verheiratet. Das Paar hatte einen Sohn, Werner (*1940).

Hochzeitsfoto von Josef von Burg (1902 – 1973) und Rosa von Burg (geb. 1912, vom Rössli).
Quelle: Franz von Burg
Josef und Rosa von Burg vor ihrem Heim an der Selzachstrasse 1 in Lommiswil. Quelle: Franz Flury

Stammgast im Rössli

Der Dorfschmied Josef zeichnete sich durch seine imposante Statur aus. Wie es zu jener Zeit in vielen Familien üblich war, betrieb er neben seiner ‚regulären‘ Arbeit auch eine kleine Landwirtschaft mit ein paar Kühen und einer Ziege zur Milchproduktion.

Jeden Tag machte er seine übliche Runde. Morgens um 11 Uhr gönnte er sich im Gässli ein Schnäppsli und ein Stück Brot, bevor er zum Mittagessen nach Hause ging. Und abends kehrte er regelmässig ins Restaurant Rössli ein, um bei einem Feierabendbier eine Runde Jass zu spielen.

Wenn er einmal vom Jassen nicht loskam, pflegte er zu sagen: „Peter (von Burg), gang mer go mäuche!“ – und dann musste Peter die Kühe von Josef melken und den Stall ausmisten. Diese Gefälligkeit wurde vom Restaurant als eine Art „Dienstleistung“ betrachtet.

Josef von Burg (rechts). Unbekanntes Datum. Quelle: Franz Flury

Mitglied der Hornussergesellschaft

Josef war Mitglied der Lommiswiler Hornussergesellschaft, die zwischen 1906 und 1937 aktiv war. Auf dem Vereinsfoto unten ist er als zweiter von rechts in der sitzenden Reihe zu sehen.

Hornussergesellschaft Lommiswil (1906 – 1937). Quelle: Franz Flury

Tod 1973

Aus dem Nachruf vom 23.6.1973

Ein grosses Trauergeleit erwies unserem allerseits geachteten Dorfschmied Josef von Burg die letzte Ehre. Durch seinen unerwarteten Hinschied ist unser Dorf um eine alte, schöne Tradition ärmer geworden. Kein Hammer- und kein Ambossschlag tönt mehr au der Schmiede, in der unser Dorfschmied jahrelang seinen geliebten Beruf ausgeübt hat. Still und verwaist steht die Dorfschmiede nun da.

Der Verstorbene war ein leutseliger und freundlicher Mensch und ein waschechter Lommiswiler, ist er doch in unserem Dorfe aufgewachsen. Nach seiner Lehrzeit als Schmied und den Gesellenjahren ist er nach Lommiswil zurückgekehrt, hat seine Schmiede eröffnet und sich hier verheiratet. Die Gattin und ein Sohn trauern um den Heimgegangenen.

Seiner Schmiedezunft blieb er zeitlebens treu, hat an deren Geschehnissen stets teilgenommen und viel aus der früheren, alten Zeit, als das Schmiedehandwerk noch in voller Blüte stand, zu erzählen gewusst.

Pfarrer Borer hielt in der Heiliggeistkirche eine gehaltvolle, zweckbestimmende Abschiedspredigt. Die Trauerfeier wurde umrahmt durch schönes Orgelspiel und Chorale von Lehrer Othmar Girard.

Wir werden unser Schmied, wie er im Dorf genannt wurde, in gutem Andenken behalten. Seinen Angehörigen bezeugen wir unsere herzliche Anteilnahme.


Quellenverzeichnis

  • Fotos: Franz von Burg
  • Nachruf: Solothurner Zeitung vom 23.6.1973