Ortsgschichte Lommiswil

St. Germanskapelle

  1. 14. Jahrhundert: Die Zerstörung der Lommiswiler „Leutkirche“
  2. 1480: Die Kirche in Lommiswil wird neu aufgebaut
  3. 1530: Die Lommiswiler blieben dem alten Glauben treu
  4. 1622: Die Gründung einer eigenen Pfarrei tritt in den Hintergrund
  5. 1753: Das Schulwesen nimmt in Lommiswil Einzug
  6. 1838: Die Verwaltung des Kirchenfonds geht an die Gemeinde über
  7. Kapellen-Bazar 1979
  8. Zustand 1981
  9. Renovation 1981 – 1983
    1. Renovation der Fassade
    2. Bildfragment unter der Gipsdecke
    3. Triumphbogen im Chor
  10. 1983: Nach der Renovation
  11. 1993: Der Blitz schlägt ein

14. Jahrhundert: Die Zerstörung der Lommiswiler „Leutkirche“

Um das 9. und 12. Jahrhundert stand in Lommiswil eine Leutkirche. „Sie war geweiht zu Ehren unserer lieben Frau, der reinen Magd Marien, auch der namhaften Himmelsfürsten St. Michael, St. German und anderen Heiligen“.

Die Leutkirche gehörte, so wird angenommen, einer noch früheren Zeit an. Der Weg zu und von der Burg (Schauenburg) führte über Lommiswil. Nichts hindert daran anzunehmen, dass die alte Leutkirche eben in dieser Zeit entstand, wo die glänzenden Edelknechte und Burgfräulein durchs Dorf ritten und auf der Burg hausten.

1318 wurde die Umgebung von Solothurn durch die Belagerung der Österreicher sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Freiburger brandschatzten das Gebiet des Grafen von Strassberg, zu dem Altreu und Lommiswil gehörten. Entsetzlich hausten 1375 das Söldnerheer aus Franzosen und Engländer, die „Gugler“ im Leberberg. In diesen Kriegen wurden einige Dörfer für immer zerstört. Diesem Ansturm fielen auch die Schauenburg ob Lommiswil sowie ihre Leutkirche zum Opfer.

Die erste Urkunde, in der die Leutkirche erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 1480. Diese Urkunde ist ein Erblehenvertrag. Die zweite Urkunde wurde von Schultheiss und Rat von Solothurn im Jahre 1481 ausgestellt.

1480: Die Kirche in Lommiswil wird neu aufgebaut

1480 Die kleine Gemeinde Lommiswil vermochte es nicht die nötigen Geldmittel für einen Neubau der Leutkirche aufzubringen. Sie wandten sich um Unterstützung an die Stadt Solothurn. Der Schultheiss und Rat von Solothurn erlaubten den Lommiswilern, zu Gunsten der Kirche den Weiher im „Busental“ und seine Umgebung an den Konrad Keiser, Bürger von Solothurn, in Erbpacht zu geben.

Etwas an Grundbesitz war von der alten Leutkirche her noch vorhanden und dazu zählte auch der Weiher. Hinzu kamen in diesen Jahren Schenkungen zu Gunsten des Neubaus. Im 15. Jahrhundert besass die Kirche Lommiswil zwei Juchart (Aren), einige Mahd (etwas weniger als eine Juchart) als Grundbesitz. Diese wurden später verpachtet oder verkauft.

1481 am 28. Februar die Anstrengungen der Lommiswiler reichten nicht und sie wandten sich abermals an die Stadt Solothurn. Der Schultheiss und Rat von Solothurn stellte ihnen zugunsten des Wiederaufbaues der einstigen Leutkirche in Lommiswil einen Bittbrief für ein Jahr aus. „Das Gotteshaus von Lommiswil soll wie zuvor aufgebaut und geweiht werden.“

Im Jahr 1481 trat die Stadt Solothurn dem Schweizer Bund bei. Dieser Tatsache verdanken wir die Überlieferungen über die einstige Leutkirche in Lommiswil.

1483 Unter Mithilfe der Bauern aus Lommiswil und Selzach und der Herren von Solothurn konnte die Kirche in Lommiswil 1483 neu eingedeckt werden. Die Herren von Solothurn schenkten die Ziegel. Lommiswil hatte wiederum eine Kirche.

Der Jahrestag der Kirchweihe wird jeweilen am Sonntag nach St. Bartholomae (Ende August) begangen und am 21. Februar wird in Lommiswil der St. Germanstag (Patrozinium) gefeiert.

1527 kommen die Männer von Balsthal in einem Bittgang zum hl. German in Lommiswil. (St. German scheint besonders bei Schwierigkeiten im Viehstalle und auf dem Felde angerufen worden zu sein. Wallfahrten, besonders von Einzelpersonen, fanden bis zur Kulturkampfzeit statt.)

1530: Die Lommiswiler blieben dem alten Glauben treu

1530 tobten die erste grosse religiöse Revolution. Dadurch wurde in den folgenden Jahren der Ausbau des begonnenen Werkes in Lommiswil gelähmt. In diesem Jahr hatten sich die Bewohner unseres Kantons zwischen dem neuen Glauben und dem Väterglauben zu entscheiden. In der Reformationszeit schliesst sich Lommiswil, das bisher nach Selzach pfarrgenössig war, vollständig der Pfarrei Oberdorf an.

1622: Die Gründung einer eigenen Pfarrei tritt in den Hintergrund

1622 Am Montag, 13. Juni brach in der Nacht in Lommiswil ein Grossbrand aus. 29 der 31 Häuser, 20 Personen und 400 Stüd Vieh fanden in den Flammen den Tod. Lommiswil verarmt. Die gnädigen Herren in Solothurn schenkten den „verbrunnenen Lüthen“ 60 Mütt Korn (1 Mütt = 158-168 l).

Der Rat in Solothurn verlangte, dass beim Wiederaufbau die Häuser nicht mehr so nahe aneinander gebaut werden. Ein Empfehlungsschreiben des Rates zu Solothurn zur Sammlung milder Gaben auf dem Gebiet des Standes Solothurn, linderte etwas das Elend in Lommiswil. Das einstige Priesterhaus verschwand, die Kapelle selber bliebt grösstenteils verschont und diente den Unglücklichen als Zufluchtsort.

1643 Das St.-Germans-Kirchlein wurde völlig vernachlässigt. Es wurden keine Messen mehr darin gehalten. 20 Jahre sollten vergehen, bis sich der Rat von Solothurn und Probst Wolfgang Gibelin sich der Kapelle annahmen.

1645 ist das Kirchlein durch die Hilfe von Propst Wolfgang Gibelin von St. Ursen wieder in Stand gestellt. Aus dieser Zeit stammen offenbar die jetzigen Altartische. Die Altarbilder, so weit sie aus dieser Zeit stammen, deuten darauf hin, dass die Patrone die bisherigen blieben: St. Maria für den Choraltar, St. German für den Altar auf der Evangelienseite (die linke Seite eines Hochaltars). St. Michale für den Altar auf der Epistelseite (rechte Seite eines Hochaltars).

1753: Das Schulwesen nimmt in Lommiswil Einzug

1748 bestellte Georg Franz Surn einen eigenen Sigrist für Lommiswil und liess ihm einen Jahrlohn von 6 Pfund ausbezahlen. Ihm verdankt Lommiswil auch die Dorfschule.

1753 ordnet Stiftspropst Georg Franz Surn die Monatsmessen im St.-Germans-Kirchlein zu Lommiswil an. 1753 wird zum ersten Mal eine Schule in Lommiswil erwähnt; der erste Schulmeister ist Joseph Weibel.

1755 werden mit Erlaubnis des Propstes Schul- und Sigristendienst miteinander verbunden, um die Schule lebensfähig zu erhalten. Der Schulmeister hatte die Pflicht, die Schüler beim Gottesdienste zu überwachen und bei den Prozessionen zu begleiten.

1776 erhält das Kirchlein eine grössere Glocke. Das alte Glöcklein, das nur 27 1/2 Pfund wog, wurde im November 1776 den Gebrüdern Keiser, Glockengiesser in Solothurn, um 9 Kronen 22 1/2 Batzen verkauft, um eine neue Glocke mit Gewicht von 155 1/2 Pfund zu 74 Kronen 6 Batzen zu erstehen.

1800 – 1805 amtet Pfarresignat Jakob Esso Nussbaumer als „Pfarrer“ in Lommiswil. Um sein mageres Einkommen aufzubessern, erteilte er auch Schulunterricht.

1838: Die Verwaltung des Kirchenfonds geht an die Gemeinde über

1838 geht die Verwaltung des bisher von den Stiftspröpsten von St. Ursen sorgsam gehüteten Kirchen- oder Kapellenfonds in die Verwaltung der Gemeinde Lommiswil über. Der Fonds wird mehr und mehr ruiniert. Das Kirchlein verwahrlost.

1840 bereinigte die Gemeinde Lommiswil die Eintragung von Kirche und Kirchmätteli im Grundbuch; lautend au den Namen des Kirchenfonds Lommiswil.

Bis zum Jahr 1850 gab es in Lommiswil nur eine Konfession, die katholische.

1881 senkt sich am St.-Germans-Tag die Kanzel während der Predigt.

1889 nimmt sich Pfarrer Arnold Gisiger nachhaltig des Kirchleins an.

1891 erhält das Kirchlein in Lommiswil aus der Kirche in Zuchwil den heutigen Tabernakel.

1893 gründet Pfarrer Stephan Stüdeln einen Paramenten-Verein für die Kapelle.

1906 und die folgenden Jahre wird das Kirchlein unter Pfarrer Joh. Mösch trocken gelegt, eine Empore eingebaut und aussen und innen renoviert.

1932 geht die Verwaltung des St. Germans-Kirchleins an den Römisch-kath. Ortsverein Lommiswil über.

Impression 1919

St. Germanskapelle Lommiswil um 1919, 
Quelle: Bundesamt für Landestopografie, Office fédéral de topographie, Ufficio federale di topografia, swisstopo, Lommiswil, Altbestand TnA (Glasplatten), swisstopo, 1919, aus: Bundesamt für Landestopografie swisstopo, Fotobestand der Technischen Aufnahmen des Bundesamt für Landestopografie swisstopo, 1600a, Online: https://memobase.ch/de/object/blt-001-000392022, Stand: 30. December 2023

Kapellen-Bazar 1979

Am 5., 6. und 7. Oktober 1979 wurde von Karl Blülle ein Kapellebazar organisiert, um Geld für die dringend benötigte Aussen- und Innenrenovation des Gotteshauses zu sammeln.

Zustand 1981

Kapelle St. German Westseite vor der Restaurierung von 1983,
Foto: A. Faisst Solothurn, Negativ: Denkmalpflege SO

Renovation 1981 – 1983

Im Jahr 1981 war es endlich soweit: Die St. Germanskapelle wurde unter dem wachsamen Auge des Amts für Denkmalpflege des Kantons Solothurn vollständig renoviert.

Im Archiv der Denkmalpflege befinden sich zahlreiche Fotos und Unterlagen, welche den Zustand der Kapelle vor, während und unmittelbar nach der Renovation eindrücklich dokumentieren.

Kapelle St. German Sakristei und Südwand Chor, Renovation 1983,
Foto: Edi Glauser 9.IX.1981 Negative: Denkmalpflege SO

Renovation der Fassade

Bildfragment unter der Gipsdecke

Nach der Entfernung der Gipsdecke kam zwischen den Balken ein Bildfragment eines Soldaten zum Vorschein.

Kapelle St. German
Fragment (der Täferdecke?) als Bodenbrett im Estrich gefunden.
Fotos: Kant. Denkmalpflege SO maho, 2. VII. 1985

Triumphbogen im Chor

1983: Nach der Renovation

Kapelle St. German nach der Restaurierung, 1983,
Amt für Denkmalpflege Kt. Solothurn, Arnold Faisst
Kapelle St. German nach Renovation 1981 – 1983.
Foto: Franz Flury

1993: Der Blitz schlägt ein

Am Samstag, dem 8. Mai 1993 schlug der Blitz in den Turm der St. Germanskapelle ein.

Margrit Kummer, die im äussersten Haus der Überbauung Im Dorf wohnte, erinnert sich noch im Jahr 2025 lebhaft: „Es hat gewaltig gekracht! Ich war gerade im Badezimmer, das direkt gegenüber liegt. Herr Pfarrer Borer, der damalige Pfarrer – Gott hab ihn selig –, konnte nicht mehr telefonieren. Er wusste nicht einmal genau, was passiert war, da der Einschlag direkt gegenüber erfolgte und er von dort aus keinen Sichtkontakt hatte. Auch bei uns funktionierte nichts mehr: Der Fernseher war komplett kaputt – die Versicherung hat uns später einen neuen ersetzt. Unser Telefon war ebenfalls eine Zeitlang ausser Betrieb. Nichts ging mehr, weder bei ihm noch bei uns!“

„Unter dem Dach begann es zu schwelen – dabei war die Kapelle gerade erst renoviert worden! Pfarrer Borer eilte in die Sakristei, doch auch dort war das Telefonnetz unterbrochen. Also läutete er kurzerhand Sturm mit den Kirchenglocken, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Feuerwehr war glücklicherweise schnell zur Stelle und konnte Schlimmeres gerade noch rechtzeitig verhindern. Es war zudem ein Samstagmorgen, sodass die meisten Feuerwehrleute zu Hause waren – auch das ein glücklicher Zufall. So ist am Ende alles noch einmal gut ausgegangen. Wäre schade gewesen, denn die Kapelle war erst kurz zuvor für über 200’000 Franken komplett saniert worden.“

Erste Reparatur am Dach der Kapelle – Tage nach Blitzeinschlag.
Copyright: M + H Kummer, Lommiswil
Erste Reparatur am Dach der Kapelle – Tage nach Blitzeinschlag.
Copyright: M + H Kummer, Lommiswil

Quellenverzeichnis

  • „Unsere liebe Frau von Oberdorf“ von J. Mösch, Domherr, herausgegeben von der römisch-katholischen Pfarrei Oberdorf (Seiten 11 bis 13)
  • Die Kirche des hl. German in Lommiswil von Joh. Mösch, Pfarrer, 1921
  • Urbar der Kirche Lommiswil in Läbern-Olten 1300-1500
  • Staatsarchiv Rats Manual 1527, Journal 1483, 1643, Copiae rot 8, 1479-1483
  • Staatsarchiv Kapellenfondsrechnungen 1748-1773
  • L. R. Schmidlin: Der Soloth. Amtei-Bezirk Kriegstetten, S. 221.
  • F. Haffner Edle von Schauenburg aus den Jahren 942, 1245 und 1275
  • Staatsarchiv Rats Manual 1527, Journal 1483, 1643, Copiae rot 8, 1479-1483
  • Staatsarchiv Kapellenfondsrechnungen 1748-1773
  • L. R. Schmidlin: Der Soloth. Amtei-Bezirk Kriegstetten, S. 221.
  • F. Haffner Edle von Schauenburg aus den Jahren 942, 1245 und 1275
  • Fotos vor und während der Renovation 1981 – 1983: Amt für Denkmalpflege, Kt. Solothurn (mit freundlicher Genehmigung)
  • Pastoralraum Mittlerer Leberberg, Pfarrei Lommiswil, Online: https://pastoralraum-mlb.ch/pfarrei-kirchgemeinde-zweckverband/lommiswil/ ↩︎
  • Broschüre „Kappellenbazar Lommiswil 5., 6., 7. Oktober 1979“, Karl Blülle ↩︎
  • Buch „Lommiswil“ von Erhard Flury, 1992, Bürgergemeinde Lommiswil, Seiten 47, 49, 239, 240 ↩︎
  • Broschüre „Lommiswil – Unsere Wohngemeinde“, 1989, Einwohnergemeinde Lommiswil, Seite 11  ↩︎
  • Blitzeinschlag 1993: Fotos: Hans und Margrit Kummer: Bericht: Margrit Kummer, Februar 2025