Ortsgschichte Lommiswil

Der Heilige im Estrichboden

von Simone Lewis

Inhaltsverzeichnis

  1. Entdeckung bei der Renovation 1980 – 1985
  2. Wiederentdeckt nach Jahrzehnten
  3. Eindruck vor Ort
  4. Quellenverzeichnis

Entdeckung bei der Renovation 1980 – 1985

Die St. Germanskapelle besitzt eine wertvolle Dachkonstruktion, die teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammt. Ein Balken westlich der Trennmauer zwischen Schiff und Chor trägt die mit roter Farbe geschriebene Jahreszahl 1614 – möglicherweise eine originale Inschrift aus der Bauzeit.

Während der Renovationsarbeiten an der Kapelle in den frühen 1980er-Jahren fand man im Estrichboden ein Holzfragment, welches die Figur eines Soldaten zeigte. Es war einst Teil der ehemaligen Täferdecke im Kirchenschiff. Die Kalkmalerei wurde auf Tannenholz gemalt und stammt vermutlich aus dem Jahr 1645.


Kapelle St. German Balkenlage nach dem Entfernen der Gipsdecke, Entdeckung Fragment.
Fotos: Kant. Denkmalpflege maho 31.VIII. 1981
Kapelle St. German Lommiswil: Balkenlage nach dem Entfernen der Gipsdecke.
Fotos: Kant. Denkmalpflege maho 31.VIII. 1981

Wiederentdeckt nach Jahrzehnten

Im September 2024 erhielt die Schreiberin vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Solothurn alte schwarz-weiss-Fotos der Renovationsarbeiten. Darauf war das Fragment zwar abgebildet, doch viele Fragen blieben offen: Wie gross ist es wirklich? Welche Farben sind erhalten geblieben? Und vor allem: Wo befindet es sich heute?

Meine Neugier sollte im Januar 2025 belohnt werden: Das physische Fragment tauchte tatsächlich auch – und zwar an der Wand des Archivs der Denkmalpflege an der Werkhofstrasse 55 in Solothurn!

Eindruck vor Ort

Im Februar 2025 war es dann soweit und ich durfte den Soldaten aus der Kapelle mit eigenen Augen bestaunen: Die Holzplatte misst rund 1.70 Meter und ist in erstaunlich gutem Zustand. Der gemalte Soldat ist klar zu erkennen, die Farben sind kräftiger, als man es von den alten Fotos hätte vermuten können. Laut der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Regula Graf könnte es sich dabei nur um die Hälfte einer ursprünglichen Darstellung handeln.

Ein Vergleich mit ähnlichen Darstellungen (siehe unten) lässt vermuten, dass es sich bei der abgebildeten Person um den Heiligen Urs oder Viktor handeln könnte, wobei Viktor meist aufwendiger – zum Beispiel als Offizier – dargestellt wurde.

Fragment der ehemaligen Täferdecke im Schiff der Kapelle St. German in Lommiswil; Kalkmalerei auf Tannholz, wahrscheinlich 1645; Archiv des Amts für Denkmalschutz und Archäologie Kt. Solothurn. Foto: Simone Lewis

Schutzpatrons Sankt Ursus; Illustration eines über 500-jährigen Bands, aufbewahrt in der Zentralbibliothek Solothurn.
Nicolai Perotti pontificis Sipontini Grammaticӕ institutiones cum grӕco quo caruere prius intermicantibus passim spatiis apposito (ZBS KBO OL 17)

Quellenverzeichnis

  • Schwarz-weiss Fotos und Informationen: Renovationsunterlagen Kapelle St. German Lommiswil: Archiv des Amts für Denkmalschutz und Archäologie Kt. Solothurn
  • Information zum Hl. Urs und Viktor: Kommentare von Ian Holt, Leiter Sondersammlungen Zentralbibliothek Solothurn, auf Instagram, 3. Oktober 2025. Link: https://www.instagram.com/p/DPGEe-hjK2V/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==
  • Fotos des Fragments am aktuellen Aufbewahrungsort, 2025: Simone Lewis