Ortsgschichte Lommiswil

Brandvorsorge in Lommiswil

Inhalt:

  1. Einführung
    1. Häufigkeit und Ursachen von Bränden
    2. Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen
    3. Kulturelle und psychologische Spuren
  2. Entwicklung der Brandvorsorge in Lommiswil
    1. 1860 – 1870: Ämter & Verantwortlichkeiten
    2. 1872: Erste Geräte und ihre Bedienmannschaft
    3. Wasserreserven: Feuerweiher & Sammelbecken
    4. Reglemente & Vorschriften: Von der Moral zur Ordnung
    5. Löschtechnik bekommt ein Zuhause: Das Feuerwehrmagazin (1924)
    6. Spätere Entwicklungen
  3. Quellenverzeichnis
    1. Verwendete Quellenkürzel

Einführung

Brände waren eine allgegenwärtige Bedrohung für die Dorfbevölkerung in der Schweiz. In einer Zeit, in der die meisten Gebäude aus Holz gebaut waren und offene Feuerstellen zur Beleuchtung, Heizung und zum Kochen genutzt wurden, konnten Brände verheerende Auswirkungen haben.

Häufigkeit und Ursachen von Bränden

Brände entstanden oft durch unachtsamen Umgang mit Feuer, Funkenflug aus Kaminen oder Blitzschläge – oder, wie im Fall des Brandes des Weya-Hauses in Lommiswil im Jahre 1920 – durch Funkenflug der vorbeifahrenden SMB-Zuges.

Aufgrund der dichten Bauweise der Dörfer und der geringen Möglichkeiten zur Brandbekämpfung breitete sich Feuer schnell aus und führte häufig zur Zerstörung ganzer Dorfteile. Besonders in den Wintermonaten, wenn die Feuerstellen intensiver genutzt wurden, war die Gefahr gross.

Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen

Der Verlust von Häusern, Vorräten und Vieh war für die betroffenen Familien katastrophal. Da die meisten Dorfbewohner Subsistenzlandwirtschaft betrieben, bedeutete der Verlust von Vorräten oft Hunger und Armut. Brände führten daher nicht nur zu materiellem Schaden, sondern auch zu sozialen Umwälzungen. Familien, die ihre Existenzgrundlage verloren hatten, waren häufig auf die Unterstützung der Gemeinschaft oder „Gnädigen Herren“ angewiesen.

Kulturelle und psychologische Spuren

Die ständige Bedrohung durch Feuer hinterliess auch kulturelle und psychologische Spuren. Rituale und Bräuche, die Feuer abwehren sollten, waren weit verbreitet. Zudem prägte die Erfahrung von Bränden das kollektive Gedächtnis und die Erzählungen innerhalb der Gemeinschaften. Viele Dörfer entwickelten ein starkes Gemeinschaftsgefühl, da Nachbarn im Falle eines Brandes aufeinander angewiesen waren.


Entwicklung der Brandvorsorge in Lommiswil

Mit dem Wachstum des Dorfes und den wiederkehrenden Branderfahrungen reiften in Lommiswil allmählich auch die Strukturen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Feuersbrünsten – zunächst pragmatisch, dann zunehmend organisiert.


1860 – 1870: Ämter & Verantwortlichkeiten

Ein erster institutioneller Schritt erfolgte am 29. Januar 1865, als die Gemeinde offiziell „Feuerschauer“ ernannte: den Ammann Johann Josef Meier, Gemeinderat Johann von Burg und Maurer Urs Fluri. Ihre Aufgabe war es, mögliche Gefahrenquellen im Dorf zu begutachten und vorbeugende Massnahmen zu empfehlen (PGV; Flury 1992, Seite 188).

Zwei Jahre später, an der Gemeindeversammlung vom 20. Januar 1867, wurde Karl Ochsenbein zum Kaminfeger gewählt – ein Amt, das sowohl der Brandprävention als auch der Hygiene diente. Unterstützt wurde er von zwei sogenannten Feuerläufern, Lukas Meier und Adolf Fluri, die im Notfall Alarm schlugen und Hilfe organisierten (PGV; Flury 1992, Seite 188).

Auch später blieb die Kaminfegerei ein zentrales Element der Vorsorge: So wurde 1870 Johann Lüthi aus Solothurn für zwei Jahre gewählt, ebenso wie erneut Ochsenbein im Jahr 1871 (PGV; Flury 1992, Seite 188).


1872: Erste Geräte und ihre Bedienmannschaft

Ein bedeutender Schritt erfolgte 1872: Die Anschaffung einer Feuerspritze – ein Zeichen dafür, dass man sich nicht mehr allein auf Wassereimer und Nachbarschaftshilfe verlassen wollte. Noch im gleichen Jahr ernannte die Gemeinde:

  • Martin Fluri, Maurer, zum Spritzenhauptmann
  • Jakob Spilmann zum Spritzenmann
  • Gabriel von Burg zum Wendrohrführer

Am 27. April 1873 wurde die erste Spritzenmannschaft formiert. Folgende Personen standen fortan im Dienst der Dorfsicherheit (PGV; Flury 1992, Seite 188):

  • Eduard von Burg
  • Viktor Rölli
  • Kajetan Meier
  • Eduard Fluri
  • Meinrad Fröhlicher
  • Adolf Schaad

Wasserreserven: Feuerweiher & Sammelbecken

Da ohne Wasser auch die beste Spritze nutzlos war, legte die Gemeinde grossen Wert auf Reserven. Im „im Holz“ wurde 1870 ein sogenannter „Wassersammler“ eingerichtet – vermutlich an der Gabelung von Oberdorferstrasse und Geissfluhstrasse (PGV, Flury 1992, Seite 188).

Am 29. August 1875 folgte die Übergabe eines neu errichteten Feuerweihers im selben Gebiet. Das Becken sollte wasserdicht und rund 15 Fuss lang, 10 Fuss breit und 3 Fuss tief sein (PGV, Flury 1992, Seite 188).

Nur zwei Jahre später, 1877, wurden gleich drei Feuerweiher für ein Jahr öffentlich versteigert – ein Hinweis darauf, dass man das Unterhalten der Weiher auch an Privatpersonen übergab (PGV, Flury 1992, Seite 188):

  • der Weiher im Holz an Ed. Schneitter
  • der Weiher im Dorf beim Kreuz an Daniel von Burg
  • der Weiher neben dem Haus von Julius Meier an Julius Meier selbst

Reglemente & Vorschriften: Von der Moral zur Ordnung

Schon 1878 wurde das erste Feuerreglement verabschiedet – Ausdruck des wachsenden Bedürfnisses, Verhaltensregeln verbindlich zu machen. Dieses Reglement wurde 1894 erneut beraten und im April 1895 offiziell von der Regierung genehmigt (PGV, RM, Flury 1992, Seite 188).

Ein weiteres Reglement wurde 1903 beschlossen, und 1918 schliesslich durch die Regierung geprüft – als Teil eines umfassenden Feuerwehr- und Feuerschau-Reglements für die Gemeinde (PGV, Flury 1992).


Löschtechnik bekommt ein Zuhause: Das Feuerwehrmagazin (1924)

Nach Jahrzehnten provisorischer Lagerung und improvisierter Organisation errichtete die Gemeinde 1924 ein eigenes Feuerwehrmagazin – ein echtes Meilensteinprojekt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 10’318.10 Franken, eine bedeutende Investition in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.

Die Bauabrechnung vom 26. Januar 1925 dokumentiert die Arbeiten im Detail:

  • Maurer: Hermann von Burg (Fr. 3’283.55)
  • Zimmerarbeiten & Aufzug: K. Guggisberg (Fr. 1’968.75)
  • Spengler, Dach, Maler, Schreiner & Schlosserei: ca. Fr. 4’200
  • Elektrische Installation: AEK (Fr. 57.10)
  • Bauleitung: Architekt W. Adam, Solothurn (Fr. 584.00)

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Spätere Entwicklungen

1902: Der Dorfweiher wurde saniert, inkl. Tieferlegung des Bachbetts (PGV, Flury 1992, S. 189).

1912: Das Protokoll der Gemeindeversammlung vom 10. Juli 1912 berichtete, dass das Abführen des Schutts vom Brand bei Mathias Schaad nach dem Emdet frontweise erfolgen soll (Flury 1992, S. 189).

1947: Ein Zeitungsbericht über einen Waldbrand westlich des Gsässchöpfli wurde im Gemeindearchiv vermerkt (PGV vom 11. September 1947, Flury 1992, S. 189).


Quellenverzeichnis

  • Erhard Flury: Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt. Herausgegeben von der Bürgergemeinde Lommiswil, 1992.

Verwendete Quellenkürzel

KürzelBedeutung
RMRatsmanuale (Protokolle des Gemeinderats)
PGVProtokolle der Gemeindeversammlungen
PFKProtokolle der Forstkommission
LSLokalstatuten oder spezielle Gemeindereglemente
KSKorporationsschrift (z. B. der Althüslikorporation)
  • Bild Löscheimer 18. & 19. Jahrhundert: Lederner Löscheimer, aus mehrlagigen Segmenten genäht, solid verarbeitet und durch vier eingenähte Holzstäbe verstärkt. Für das 18. und frühe 19. Jahrhundert typische längsovale Grundform bei konischem Querschnitt; drehbarer solider Ledergriff an Lederösen. Europeana, Creative Commons Licencee. Online: https://www.europeana.eu/de/item/2058611/_kimnet_cho_58655831_4a32_4cf7_b95d_ce8163867d06 (zugegriffen am 31.08.2025)