Ortsgschichte Lommiswil

Postwesen

Inhaltsverzeichnis

  1. 1848 – 1907
  2. 1908 – 1936
  3. 1937 – 1977
  4. 1977 – 1993
  5. 175 Jahre Post
  6. Quellenangaben

1848 – 1907

Mit der Einführung der neuen Bundesverfassung im Jahr 1848 wurde das Postwesen in der Schweiz grundlegend reformiert. Ab dem 1. Januar 1849 ging die Zuständigkeit von den Kantonen an den Bund über. Kurz darauf, am 4. Juni 1849, wurde das Land in elf Postkreise eingeteilt. Lommiswil gehörte zusammen mit Solothurn, Langendorf, Oberdorf und Bellach zum Postkreis 5 mit Sitz in Basel. Kurz danach folgte die Einführung eines neuen Tarifsystems. Die oben genannten Gemeinden wurden zu einer gemeinsamen Postregion zusammengefasst.

Die Zustellung der Post übernahm zu jener Zeit die Witwe Johanna Rich, geb. Roth, wohnhaft im Gärrisch. Sie belieferte morgens die Solothurner Steingruben und am Nachmittag Bellach, Oberdorf sowie Lommiswil – zwei Mal wöchentlich. Ab 1854 musste sie diesen Dienst an drei Tagen pro Woche leisten. Ab November desselben Jahres war sogar eine tägliche Zustellung vorgeschrieben. Zur Unterstützung wurde ihr Sohn Johann Rich als Briefträger angestellt.

Ein weiterer Entwicklungsschritt fand an der Gemeindeversammlung vom 12. Januar 1885 statt: Man beschloss, der Postverwaltung in Basel mitzuteilen, dass an der Ostseite des Schulhauses ein Briefeinwurf eingerichtet werden solle. Zu jener Zeit – laut dem Schweizerischen Ortslexikon von 1890 – war für die Zustellung in Lommiswil offiziell das Postamt Selzach verantwortlich. Mit der Inbetriebnahme der Bahnlinie Solothurn–Biel im Jahr 1857 wurde die Post von Lommiswil nach Selzach weitergeleitet, wo der erste Lommiswiler Posthalter, Adolf Adam, die Sendungen abholen musste (nach Flury, Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes, 1992).

1908 – 1936

Mit dem Bau der Solothurn–Münster-Bahn erhielt Lommiswil 1908 einen direkten Anschluss an den Bahnverkehr, wodurch sich auch die Postzustellung vereinfachte. In den Jahren 1924/1925 ist Fräulein Marie Adam als Postablagehalterin verzeichnet. Die Zustellung erfolgte nun über das Postbüro Bellach.

Die Postablage selbst befand sich im Ortsteil „Im Holz“ an der Gabelung der Oberdorf- und Geissfluhstrasse (nach Flury, Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes, 1992).

1937 – 1977

Zusammen mit seiner Frau Frieda führte Martin Flury (1912 – 1988) die Poststelle an der Hauptstrasse 2 von 1937 bis zu seiner Pensionierung im März 1977.

Hatte die Vorgängerin, Frl. Marie Adam, die Post noch mit einem Leiterwägeli vertragen, ging Martin Flury mit einem Velo und geladenem Anhänger auf die Tour, während Frieda Flury den Schalter bediente. Die Post wurde zweimal täglich – morgens und nachmittags – verteilt.

Martin Flury (1912 – 1988) in Postuniform vor der Poststelle an der Hauptstrasse 2, Lommiswil.
Quelle: Agnes Flury.

1977 – 1993

Am 20. Januar 1975 wurde Eduard Infanger von der Kreispostdirektion Basel zum Posthalter und Briefträger in Lommiswil ernannt. Er musste jedoch die Auflage erfüllen, eine eigene Post in Lommiswil zu bauen.

Eröffnung der neuen Post an der Käsereistrasse 2

Am 1. April 1977 konnte die Familie Infanger die neue Post in Lommiswil eröffnen. Eduard gab als Eröffnungsgeschenk einen selber gebrannten Ziegelstein mit den Öffnungszeiten der neue Post an die neuen Kunden ab.

Zu dieser Zeit hatte Lommiswil 1500 Einwohner und ca. 470 Haushaltungen. Die Zustellung der Post wurde mit dem Velo, Mofa und nur ganz in selten Fällen mit dem Auto verteilt.

Aus dem Postalltag

Ein Lastwagen brachte die Brief- und Paketpost früh morgens um 6.00 Uhr nach Lommiswil. Damals musste Eduard und seine Frau Margrit vieles von Hand erledigen: Post sortieren, falsch adressierte Post neu beschriften, Zeitungen ordnen, Postschalter für die Kundschaft bereitstellen und vieles mehr.

Eduard und Margrit verfügten über einen Tresor in der Poststelle, um das Geld für den Zahlungsverkehr und die Briefmarken zu verwahren. Der Tresor war heikel im Öffnen; ein Fehler und der Alarm ging in Solothurn los. Jeden Abend nach Schalterschluss wurde die Kassenkontrolle vorgenommen und die Anzahl Briefmarken gezählt und geprüft.

Die Poststelle Lommiswil war von 7.00 bis 11.00 Uhr und 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Im Durchschnitt besuchten täglich ca. 50 Personen die Post. Es wurden Briefe-, Pakete verschickt, Briefmarken gekauft, Einzahlungen getätigt, in der Telefonkabine telefoniert, Adressänderungen vorgenommen und später konnten in der Post auch Dokumente kopiert werden.

Am 30. November 1993 gingen Eduard und Margrit Infanger in den Ruhestand. Die Poststelle wurde von Herrn Neff übernommen und später ins VOLG-Geschäft integriert.

Eduard Infanger-Bläsi, ehemaliger Posthalter von Lommiswil (1977 – 1993)

175 Jahre Post

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Broschüre 175 Jahre Post

175 Jahre Post – Wir feiern Jubiläum


Quellenangaben

Abschnitte 1848 – 1936:

  • Flury, Erhard: Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt. Hrsg. von der Bürgergemeinde Lommiswil mit finanzieller Beteiligung der Einwohnergemeinde Lommiswil, 1992.

Abschnitt 1937 – 1977

  • Informationen: Franz und Agnes Flury; Fotos: Agnes Flury

Abschnitt 1977 – 1993

  • Informationen: Eduard Infanger; Fotos: Simone Lewis