Ortsgschichte Lommiswil

Erstes Schulhaus (1814)

Inhaltsverzeichnis


1813/1814 – Lommiswils erstes Schulhaus entsteht

Das Schulgesetz von 1827 sah eine siebenjährige Schulpflicht vor, die mit dem vollendeten siebten Altersjahr einsetzte.

Über viele Jahre hinweg fand der Unterricht in einer sogenannten „Schulstube“ statt, bis 1813/1814 an der heutigen Hauptstrasse 15 erstmals ein eigens für schulische Zwecke errichtetes Gebäude entstand. Die Hausnummer 58 ist auf mehreren Klassenfotos im Hintergrund zu erkennen.

Lommiswiler Schulklasse Jahrgang 1912 und 1913 am 9. November 1920, Brandt de Tremeur. Lehrerin: Frl. Hauser. Im Hintergrund erkennt man die Hausnummer 58. Quelle: Franz Flury

1851 – Pläne gezeichnet durch Lehrer

Es ist dem Erziehungsdepartement zu verdanken, dass wir noch heute wissen, wie das Schulhaus damals von innen und aussen ausgesehen hat. Im Jahr 1851 bat das Departement nämlich die Lehrer der Gemeinden Bellach, Langendorf, Lommiswil, Selzach und Rüttenen, Zeichnungen ihrer Schulhäuser anzufertigen. Eine Blankokopie des Standardbriefs ist noch heute im Staatsarchiv Solothurn zu finden:

Solothurn, den 10ten Juli 1851.

Herrn Lehrer ………………………. zu ………………………..

Um zu einer genauern Detailkenntniß von der
Schulgebäulichkeit / Schulhaus, Lehrerwohnung und Scheune: /
zu …………………………… zu gelangen, werden Sie ersucht, dieselben
in Grund und Aufriß darzustellen, und zwar nach
beigefügtem Maaßstabe.

Zur Aufnahme der Zeichnung diene eines der beiliegenden
Blätter, oder, wenn dieselben verunglücken sollten, ein an=
deres beliebiges Blatt von ganz gleicher Größe.

Grundriß und Aufriß sollen nur auf eine Blattseite
kommen; der Aufriß oben, die Grundrisse unten; Alles ohne
Kolorit mit bloßer Federzeichnung ausgeführt.

Das Blatt ist quer zu nehmen. …………………..

Es versteht sich von selbst, daß da, wo schon Pläne
vorhanden sind, dieselben einfach auf den gegenwärtigen
Maaßstab reducirt werden können.

Belieben Sie Ihre Zeichnung aufgerollt, ja nicht ge=
faltet, längstens bis 10. August nächsthin an den
Herrn Oberamtmann gelangen zu lassen.

Für die Bemühung kann kein Honorar bezahlt
werden.

Namens des Erziehungs-Departements
der Stellvertreter
J. Fröhlicher

Beilage:
zwei Blätter Zeichnungspapier.

Maasstab. Fuss

Brief aus dem Jahr 1851: Bitte des Erziehungs-Departements J. Fröhlicher an Lehrerschaft an die Lehrerschaft in der Region, ein Plan ihres Schulhauses zu zeichnen. Bild optimiert mit ChatGPT. Quelle: Staatsarchiv Solothurn

Der Lehrer Joseph Jerusalem, der von 1841 bis 1853 in Lommiswil unterrichtete, kam der Aufforderung des Erziehungsdepartements nach. Er zeichnete im August 1851 auf einem Blatt die Nordansicht sowie die Grundrisse des Erdgeschosses und des ersten Stocks.

Bemerkenswert ist, dass das Gebäude – obwohl als Schulhaus konzipiert – nur über ein einziges Klassenzimmer verfügte. Die übrigen Räume dienten der Käseherstellung, als Wohnung für den Käser sowie als Unterkunft für Bedürftige.

Auf der Nordseite vor dem Milch- und Käsekeller befand sich ein WC-Häuschen mit vier Toiletten.

Plan Schulhaus Lommiswil, erbaut 1814. Gezeichnet vom Lehrer Jos. Jerusalem im Jahr 1851. Staatsarchiv Solothurn

Ansicht von der Nordseite (1851)

Ansicht von der Nordseite, Schulhaus Lommiswil, erbaut 1814. Gezeichnet vom Lehrer Joseph Jerusalem im Jahr 1851. Quelle: Staatsarchiv Solothurn, Signatur P16.
Ansicht von der Nordseite

Grundriss Erdgeschoss (1851)

Grundriss Erdgeschoss, Schulhaus Lommiswil, erbaut 1814. Gezeichnet vom Lehrer Joseph Jerusalem im Jahr 1851. Quelle: Staatsarchiv Solothurn, Signatur P16.
Grundriss des Erdgeschosses mit transkribierten Bezeichnungen

Grundriss 1. Stock

Grundriss des 1. Stocks, Schulhaus Lommiswil, erbaut 1814. Gezeichnet vom Lehrer Joseph Jerusalem im Jahr 1851. Staatsarchiv Solothurn, Signatur P16.
Grundriss des 1. Stocks mit transkribierten Bezeichnungen

Dank künstlicher Intelligenz und den handgezeichneten Plänen ist es möglich, den Zustand der Liegenschaft im Jahr 1851 ziemlich gut zu visualisieren.

Visualisierung des Zustands der Schule Lommmiswil im Jahre 1851. Bild generiert mit ChatGPT Image am 8. Mai 2026.

Die handgezeichneten Pläne der Schulhäuser scheinen lange Zeit „verschollen“ gewesen zu sein, wie eine handschriftliche Notiz des Pfarrers und Lokalhistorikers Johann Mösch aus dem Jahr 1948 auf der ersten Seite des Mappe im Staatsarchiv Solothurn bezeugt.

1862 – Steigende Schülerzahlen

1862 war die Schülerzahl so angestiegen, dass sich die Gemeinde gezwungen sah, ein zweites Klassenzimmer einzurichten, an das der Kapellenfonds 3000 Franken beisteuerte. Dieses stiess jedoch auch bald an seine Kapazitätsgrenzen.

Auf der Gemeindeversammlung am 15. September 1917 wurde dann die Nutzung des Tanzsaals im Restaurant Rössli als drittes Klassenzimmer beschlossen.

Lommiswiler Schulklasse am 9. November 1920. Foto von Brandt de Tremeur.

1922 – Ein neuer Standort für die Schule

Am 2. Februar 1922 genehmigte die Gemeindeversammlung den Bau eines neuen Schulhauses. Nur einen Monat später erklärte das Erziehungsdepartement den bisherigen Standort an der Hauptstrasse 15 als ungeeignet. Daraufhin entschied man sich für einen neuen Standort nördlich des Restaurants Bären. Bereits im Jahr 1923 konnte das neue Schulgebäude – das heutige Alte Schulhaus – feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben werden.

Ursprünglich geplanter Baupatz Altes Schulhaus 1922. Quelle: Staatsarchiv Solothurn

Das ehemalige Schulhaus wurde längere Zeit von der Familie Mathez bewohnt, was ihm den Namen „Mathez-Haus“ einbrachte.

1999 – Verkauf an die Gemeinde

Im Jahr 1999 erwarb die Gemeinde Lommiswil das ehemalige Schulgebäude an der Hauptstrasse 15, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Über mehrere Jahre hinweg diente sie als Unterkunft für Asylbewerber. Pläne, die Gemeindekanzlei dort unterzubringen, wurden später verworfen.

Ehemaliges Schulhaus, Dorfstrasse 15, Lommiswil, 1989
Ehemaliges Schulhaus, Hauptstrasse 15 in Lommiswil, ca. 1987.
Quelle: Gemeindekanzlei Lommiswil

2017 – Die Arztpraxis zieht ein

Etwa im Jahr 2017 wurde die Liegenschaft nach ihrem Verkauf an private Investoren umfassend renoviert und teilweise umgebaut. Seit 2018 führt Dr. Oliver Freiermuth dort seine Hausarztpraxis.

Renovierte Liegenschaft mit Arztpraxis, 2024. Quelle: Simone Lewis

Quellenverzeichnis

  • Fotos: Quellen vermerkt bei den Bildern
  • Lageplan: Staatsarchiv Solothurn
  • Zeichnungen 1851: Staatsarchiv Solothurn, Signatur P16
  • Erhard Flury, „Lommiswil – Die Geschichte deines Dorfes am Fusse der Hasenmatt“, 1992. Seiten 269 – 272. Herausgeber: Bürgergemeinde Lommiswil