Ortsgschichte Lommiswil

Paul Hiermeier 1928 – 2022

Inhaltsverzeichnis

  1. Kindheit und Jugend
  2. Künstlerisches Talent
  3. Ein sportlicher und engagierter Mann
  4. Familienleben und Umzüge
  5. Der Bau des Eigenheims
  6. Ein kreativer Ruhestand
  7. Rückkehr in die Schweiz
  8. Quellenverzeichnis

Kindheit und Jugend

Paul Hiermeier, der älteste von fünf Geschwistern, wurde am 30. April 1928 in Reconvillier geboren, verbrachte aber den Grossteil seiner Jugend in Lommiswil.

Lommiswiler Primarschule Jahrgang 1928, aufgenommen ca. 1938. Quelle: Toni Hiermeier

Schon früh zeigte er seinen Unternehmergeist, indem er sein Taschengeld mit einer Kaninchenzucht verdiente oder frischen Fisch aus der Aare in Bellach zum Verkauf anbot. Im Herbst sammelte er Pilze und verkaufte sie an umliegende Restaurants – eine frühe Lektion in Geschäftstüchtigkeit.

Paul Hiermeier (geb. 1928) mit Mutter Anna Hiermeier-Stoll, Schwester Hanna und Bruder Robert, südlicher Eingang vom Gässli 4 in Lommiswil (verbessert mit „MyHeritage“-Tool)
Quelle: Toni Hiermeier

Künstlerisches Talent

Schon in jungen Jahren war klar, dass Paul Hiermeier ein begabter Künstler war. Bereits im Schulalter fertigte er beeindruckende Zeichnungen an. Diese frühen Werke legten den Grundstein für seine späteren Ölgemälde.

Zeichnung von Paul Hiermeier, 1942. Quelle: Toni Hiermeier
Grossvater Walter Kofmehl, gezeichnet von Paul Hiermeier

Mit seiner wachsenden Bekanntheit wurde Paul Hiermeier auch von verschiedenen Institutionen beauftragt, darunter die Raiffeisenbank in Lommiswil. Für die Bank entwarf er kunstvolle Sujets von markanten Gebäuden aus Lommiswil. Diese wurden auf Gläser gedruckt und bei den Generalversammlungen als Geschenke an die Mitglieder der Bank überreicht.

Die sogenannten „Lommiswiler Gläser“ haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sind noch heute in zahlreichen Haushalten des Dorfes zu finden.

Ein sportlicher und engagierter Mann

Neben seiner künstlerischen Begabung war Paul auch sportlich sehr aktiv. Paul war nicht nur ein leidenschaftlicher Radfahrer, sondern auch aktives Mitglied des Langendorfer Turnvereins und bis 1962 des kantonalen Leichtathletik-Verbands von Solothurn.

Ausserdem wirkte er in verschiedenen Positionen im Turnverein Lommiswil mit, darunter als Kassier, Aktuar und später als Ehrenmitglied.

Familienleben und Umzüge

Als junger Mann lernte Paul Elisabeth („Lisbeth“) Kofmehl kennen, die Tochter von Walter Kofmehl und Flora Schaad. Ihre Beziehung entwickelte sich in den folgenden Jahren, und am 24. Juli 1950 gaben sie sich in Oberdorf das Ja-Wort. Die Hochzeit wurde im Restaurant Helvetia in Oberdorf gefeiert – ein grosses Fest, das sowohl Freunde als auch Familie zusammenbrachte, um diesen besonderen Moment zu zelebrieren.

Paul Hiermeier und Elisabeth Kofmehl, Hochzeit 24. Juli 1950 in Oberdorf. Quelle: Toni Hiermeier

Zu diesem Zeitpunkt hatte Paul bereits eine Anstellung bei der ETA in Grenchen als Werkzeugmacher gefunden. Täglich fuhr er mit dem Fahrrad von Langendorf nach Grenchen – eine Strecke, die er dank seiner sportlichen Natur genoss.

Am 8. Januar 1951 wurde die erste Tochter der jungen Familie, Marianne, geboren. Zu dieser Zeit lebte die Familie im sogenannten „Ferrari-Haus“ in Langendorf, einem alten Gebäude, das etwas oberhalb des Bahnhofs lag. Pauls sportlicher Alltag und sein Engagement im Verein blieben weiterhin ein wichtiger Teil seines Lebens, während er sich zugleich liebevoll um seine wachsende Familie kümmerte.

Paul Hiermeier mit Sohn Anton, Langendorf, Juli 1956.
Quelle: Toni Hiermeier

Der Bau des Eigenheims

Mit der Geburt von drei weiteren Kindern, Toni, Doris und Verena, wurde der Platz im bisherigen Zuhause knapp. Paul, der das Wohl seiner Familie stets an erster Stelle sah, begann nach einer grösseren Wohnung zu suchen. Doch die Wohnungsnot jener Zeit erschwerte die Suche erheblich. In Langendorf, wo die Familie damals lebte, fand sich keine geeignete Unterkunft. Schliesslich wurde Paul in Lommiswil fündig.

Burkhalter-Haus, Bächlisackerstrasse, Lommiswil, vor 1974.
Quelle: Rita Iseli-Burkhalter. (Farbe mit „MyHeritage-Tool“ restauriert).

Im Oktober 1962 zog die Familie ins alte Burkhalter-Haus an der Bächlisackerstrasse in Lommiswil. Obwohl das Haus für viele Jahre das Zuhause der Familie wurde, war Paul nie wirklich glücklich damit. Er träumte von einem eigenen, modernen Haus, das seinen Vorstellungen besser entsprach.

Bald begann Paul, Pläne für den Bau seines Eigenheims zu entwerfen. Dieser Prozess war jedoch nicht einfach. Viele bürokratische Hürden mussten überwunden werden, sowohl auf amtlicher als auch auf Gemeindeebene. Doch Pauls Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Nach vielen Mühen konnte der Bau schliesslich beginnen, und Ende März 1970 zog die Familie in ihr neues Zuhause im oberen Dorfteil „im Holz“ ein.

Dieses Haus wurde nicht nur zur Heimat der Familie, sondern auch zum Zentrum vieler kreativer und handwerklicher Projekte Pauls. So stellte er unter anderem die Rahmen für seine Gemälde selbst her.

Während dieser Zeit begann Paul auch, sich in der Baukommission von Lommiswil zu engagieren. Sein Engagement erstreckte sich über 25 Jahre und wurde 1985 mit einer Auszeichnung gewürdigt.

Ein kreativer Ruhestand

Nach 41 Jahren bei der ETA ließ sich Paul 1987 frühzeitig pensionieren und zog mit seiner Frau Lisbeth nach Denia, Spanien. Trotz des idyllischen Lebens in Spanien blieb ihm das Schicksal nicht immer wohlgesonnen. Nach nur acht gemeinsamen Jahren in Spanien verstarb Lisbeth infolge einer Operation. Doch Paul fand erneut Trost und Liebe: 1997 heiratete er eine Witwe, mit der er glückliche Jahre verbrachte. Diese gemeinsame Zeit endete jedoch im Jahr 2010, als auch seine zweite Frau verstarb.

Noth Haus, Weierlimattstrasse 1, gemalt von Paul Hiermeier 1999

Rückkehr in die Schweiz

Als seine Gesundheit nachliess, entschied Paul sich zur Rückkehr in die Schweiz. Er lebte noch einige Jahre in Langendorf, bevor er 2019 durch gesundheitliche Einschränkungen in das Alterszentrum Baumgarten in Bettlach zog. Trotz der Herausforderungen, die das Alter mit sich brachte, behielt Paul seine Würde und seine positive Einstellung bei.

Am 24. Januar 2022 schlief Paul Hiermeier friedlich ein und fand seine letzte Ruhe in Lommiswil – einem Ort, der ihn und seine Familie über Jahrzehnte prägte und mit dem er zeitlebens eng verbunden blieb.


Quellenverzeichnis

Grundlage für den Text und Familienfotos: Toni Hiermeier