Ortsgschichte Lommiswil

Brandunglück 1863

Inhaltsverzeichnis


Der Brand

Am 8. August 1863 wurde das Dorf Lommiswil von einem schweren Brand heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit zerstörte das Feuer fünf Wohnhäuser sowie zwei Speicher. Glücklicherweise blieben das in unmittelbarer Nähe gelegene Schulhaus, die Kirche sowie die Taverne zum „Lämmli“ unversehrt – ein Umstand, der ihrer mit Ziegeln gedeckten Bauweise zu verdanken war. Die betroffenen Gebäude hingegen waren lediglich mit Stroh oder Holzschindeln bedeckt und boten den Flammen kaum Widerstand.

Karte aus Flury E., Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt.
Herausgegeben von der Bürgergemeinde Lommiswil, 1992 (S. 181)

Das Feuer brach um zwei Uhr nachmittags aus und innerhalb von nur 20 Minuten standen sieben Gebäude lichterloh in Flammen. Die Dorfbewohner bekämpften das Feuer mit Feuereimern, während Feuerspritzen aus weit entfernten Dörfern zu Hilfe eilten.

Sechs Familien verloren ihr Zuhause und sämtlichen Besitz. Der Schaden wurde auf rund 60’000 Franken geschätzt – eine enorme Summe für jene Zeit.

Fotografie, alte Feuerspritze – Museen Muttenz, Switzerland – CC BY-SA. – Alte manuelle Feuerwehrspritze, die von mehreren Männern bedient werden musste. Sie wurde 1878 für das „Pompierscorps“ gekauft und war bis 1943 im Einsatz. Das Wasser wurde im Dorfbach entnommen, der im Notfall zusätzlich vom alten Feuerweiher oberhalb des Dorfes gespiesen wurde.

Solothurn hilft

Bereits am 10. August 1863 versammelte sich in Pflugers Garten in Solothurn unter dem Präsidium von Landammann W. Vigier ein Hilfskomitee, dem als weitere Mitglieder angehörten:

  • Stadtpfarrer Kiefer
  • Regierungsrat Ackermann
  • Verwaltungsrat Joseph Sury
  • Gemeinderat Terray
  • Munzinger-Hirt
  • Lieutenant Louis Glutz
  • Oberamtmann Misteli
  • Amtsschreiber Walther
  • Hafner Tschan

Es wurde beschlossen, in den Zeitungen einen Spendenaufruf zu veröffentlichen. Allen erwähnten Herren – mit Ausnahme von Misteli und Walther – wurde ein bestimmter Stadtbezirk zugeteilt, in dem sie Geld sammeln sollten. Auch in Olten und im Bucheggberg sollten sogenannte Liebesgaben gesammelt werden.

Oberamtmann Misteli und Amtsschreiber Walther wurden beauftragt, in der Abtei Lebern entsprechende Anordnungen zu treffen. Walther übernahm zudem die Aufgabe des Aktuars im Hilfskomitee. Er sollte eine geeignete Liste zur Erfassung der Spenden erstellen.

Insgesamt brachte die Sammlung 4’663.81 Franken in bar sowie 140.20 Franken in Form von Kleidung und sonstigen Sachspenden ein.

„Hülfskomite“ Lommiswil

Aber auch die Einwohner von Lommiswil blieben nicht untätig. Bereits am 11. August wurde ein sogenanntes „Hülfskomite“ eingesetzt, um sich um die laufenden Aufgaben im Zusammenhang mit der Katastrophe zu kümmern. Dieses Komitee setzte sich aus Mitgliedern des Gemeinderats sowie weiteren unterstützenden Personen zusammen:

  • Franz Adam
  • Maurer Urs Fluri
  • Forstpräsident U. J. Fluri
  • Alt-Gemeinderat Johann Meier
  • Urs Moll
  • Johann Schaad des U. J. sel.

Für die Verteilung der Liebesgaben wurden ausserdem aus den Gemeinden Oberdorf, Langendorf, Bellach und Selzach jeweils zwei Männer beigezogen. Den Vorsitz übernahm der Oberamtmann als Obmann des Gremiums.

Insgesamt wurden 1’583.93 Franken in bar gesammelt. Davon wurden 43 Franken für Unkosten verwendet. Zusätzlich spendete man 222 ½ Malter Früchte, deren Gesamtwert auf 3’115 Franken geschätzt wurde.

Ein Malter war ein regional unterschiedliches Volumenmass für Getreide und andere Feldfrüchte; in dieser Zeit entsprach ein Malter etwa 120 Litern (Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel „Malter“, hls-dhs-dss.ch).

Auflistung des Schadens

Der geschätzte Schaden für die einzelnen Betroffenen betrug:

  • Urs Jakob von Burg – Fr. 15’200.–
  • Urs Viktor von Burg – Fr. 10’800.– (Sein Haus stand südlich des Schulhauses; an dieser Stelle wurde später die Käserei gebaut, welche 1960 abgerissen und durchs aktuelle „VOLG“ ersetzt wurde.)
  • Josef Schaad – Fr. 6’054.–
  • Franz Meier – Fr. 3’214.–
  • Witwe Meier – Fr. 1’849.–
  • U. Josef Meier – Fr. 1’398.–
  • U. Josef von Burg – Fr. 330.–
  • Jakob Schmid – Fr. 170.–
  • Felix Gärber, Knecht bei U. Jakob von Burg – Fr. 50.–
  • Katharina Müller, Magd bei U. V. von Burg – Fr. 50.–
  • Johann Jenni – Fr. 32.–
  • Rudolf Bierbrauer – Fr. 20.–
  • Josef von Burg, Schützenmatt – Fr. 20.–

Protokolls Rechnung des Hülfskomite Lommiswil

Am 6. Januar 1864 wurde die Abrechnung von J. Weltner vorgelegt, vom „Hülfskomite“ geprüft und als korrekt befunden. Sie wurde anschließend vom Obmann, Oberamtmann Misteli, unterzeichnet (Wolf 1947, zitiert nach Flury 1992, S. 188).

Das Dokument befindet sich heute im Archiv der Gemeinde Lommiswil.

Deckblatt

Transkript: Protokolls Rechnung des Hülfskomite Lommiswil betreffend das Brandunglück in Lommiswil am 8ten August 1864.

Seite 1

Lommiswil d 11 August 1863.
a. Zur Besorgung der laufenden Geschäfte wird wegen des Brandunglücks eine Hülfskomite bestellt aus dem Gd Rath u folgen den Zuzügern.

  1. Adam Franz.
  2. Fluri Urs, Maurer.
  3. Fluri U. J. Forstpräsident
  4. Meier Johann, alt Gd Rath.
  5. Moll Urs
  6. Schad Johann, W.J. selg.

b. Zum Vertheilen der Liebesgaben sollen zum Gd Rath u dessen Zuzügern aus den Gemeinden. Oberdorf, Langendorf, Bellach u. Selzach je zwei Zuzüger, nebst dem Herrn Oberamtmann als Obmann beigegehgen werden.

Der Gd Schreiber
J Weltner.

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August den 12. X.
Das Hülfskomite sammelt heute von Haus zu Haus Zeichnungen von Liebesgaben welche bis Ende August abzuliefern sind.

Der Gd Schreiber
J. Weltner.

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August d. 26.
M. Schad Statthalter, J. von Burg Gd Rath und J. Weltner Gd Schreiber werden beauftragt die eingehenden Liebesgaben in Empfang zu nehmen & der Gd Schreiber wird als Aktuar u Kassier ernannt um die Beiträge gehörig zu kontrollieren & die Baarschaft einzukassieren.
Den Gabenüberbringern ist auf 1 Mann sammt Pferd aus den Beiträgen je 1 Fr., für mehr Mannschaft u Gespann in diesem Verhältniß steigend, für Unterhalt zu entrichten.

Der Aktuar des hiesigen Hilfskomite.
J. Weltner


Seite 2

October den 27.

  1. Verlesen der eingegangenen Schatzungen.
  2. Die Kommission glaubt aus den Schatzungen keinen richtigen Vertheiler entnehmen zu können u beschließt deßhalb, die eingegangenen Früchte nach dem Landbesitz zu vertheilen.
  3. Diese Theilung sei alsdann dem weitern Comité vorzulegen, welches allfällige Ungleichheiten mit Geld ausgleichen soll.
  4. Nach der Vertheilung von Landbesitz
    erhält: /:1 Juch. = 2 Mltr :/
    a. von Burg Urs Jakob /:auf 48 Juch :/ = 96 Malter.
    b. (von Burg) Urs Viktor /: „ 25“ :/ = 50 „
    c. Schad Josef /: “ 17 :/ = 34 „
    d. Meier A. Josef zur Hälfte /: “ 18 :/ = 18 „
    d. Meier Franz /: “ 8 :/ = 16 „
    f. Meier Wittwe 1/2 Ctr. Mehl. /: 6 :/ = 12 „
    g. von Burg A. Josef 2 Ctr. Mehl – „
  5. Die Kommission hat den Obgenannten ihr betreffniß d 28 u 29 d. M. einzumessen.

    Der Aktuar.
    J. Weltner

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Comitéversammlung den 6 Jänner 1864.

Anwesend.
Herr Misteli Oberamtmann, als Obmann;
Herr Amiet Ammann in Langendorf.
Herr Probst “ in Bellach.
Herr Rudolf “ in Selzach.
Herr Sieber “ in Oberdorf und
des hiesige Comité.

Der Aktuar Weltner legt der Versammlung das Verzeichniß der eingegangen Liebesgaben vor wie folgt.


Seite 3 – Spendenverzeichnis

Seite 4 Hilfskomitee Brandunglück Lommiswil 1863
Transkript Seite 3 – Rechnung Hülfskomite Brand Lommiswil 1863

Seite 4 – Verteilung der Spenden

Seite 4 Hilfskomitee Brandunglück Lommiswil 1863
Transkript Seite 4 – Rechnung Hülfskomite Brand Lommiswil 1863

Quellenverzeichnis

  • Hauptbild: Feuerwehrübung in Bern, ca. 1910. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Ans_16004-09. Lizenz: Public Domain.
    e-pics.ethz.ch › ETH-Bibliothek › Bildarchiv › Ans_16004-09
  • Flury, Erhard (1992): Lommiswil. Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt. Herausgegeben von der Bürgergemeinde Lommiswil mit finanzieller Beteiligung der Einwohnergemeinde Lommiswil. Lommiswil.
  • Erklärung „Mater“: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Artikel: „Malter“, Version vom 14. November 2007, URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/044961/2007-11-14/, abgerufen am 30. August 2025.