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Der „Chüemoos“ – ein Stück gelebte Geschichte
Der Bauernhof „Chüemoos„ liegt am Rande von Lommiswil und blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Seit rund 270 Jahren wird der Hof von der Familie Schneitter bewirtschaftet – ein Name, der sich übrigens vom „Abschneiden“ der Ernte mit der Sichel ableitet.
Vom Wasseramt nach Lommiswil – die Anfänge

Um 1746 zog die Familie Schneitter von Biberist im Wasseramt nach Lommiswil. Auf dem heutigen Chüemoos errichteten sie ein sogenanntes Hochstudhaus.
Diese Bauweise war damals typisch für die Region: Es handelt sich dabei um ein bäuerliches Wohnhaus, bei dem die tragenden senkrechten Balken – die „Stude“ – durch alle Stockwerke hindurchreichen. Hochstudhäuser zeichnen sich durch ein hohes Dachgeschoss und eine solide Bauweise aus. Das ursprüngliche Gebäude auf dem Chüemoos ähnelte stark dem heute noch bestehenden, denkmalgeschützten Haus an der Oberdorfstrasse 13.


1907: Ein Umbau für die Zukunft
150 Jahre lang blieb das Hochstudhaus in seiner ursprünglichen Form erhalten. Erst 1907 nahm Eduard Schneitter, von Beruf Zimmermann, einen grundlegenden Umbau vor. Er entfernte den oberen Teil des Hauses und setzte auf die etwa einen Meter dicken Steinmauern eine neue Holzkonstruktion, die mit Steinen ausgefacht und anschliessend mit Kalk verputzt wurde. Die Fenster und Türen erhielten steinerne Gewände – Elemente, die dem Haus noch heute seinen besonderen Charakter verleihen.
Hugo Schneitter-Liechti – ein Leben für den Hof und das Dorf
Der Sohn von Eduard, Hugo Schneitter-Liechti (1893–1969), führte das Werk seines Vaters weiter. Nach Schulbesuch und einem Welschlandjahr übernahm er den elterlichen Hof zur Selbstbewirtschaftung.
Während des Ersten Weltkriegs heiratete er Marie Liechti vom Stallberg, mit der er 50 Jahre lang verheiratet war. Das Paar bekam fünf Kinder: Walter (1917–2010), Trudy, Hedy, Ernst sowie einen weiteren Sohn namens Ernst, der im Alter von zwei Jahren im Bussletenbach ertrank.


Quelle: Rita Iseli-Burkhalter
Hugo Schneitter war ein „Bauer von altem Schrot und Korn“: Ein Mensch, der durch sein bescheidenes, aber bestimmtes Auftreten im Dorf grosse Achtung genoss.
Er war viele Jahre in öffentlichen Ämtern tätig, unter anderem als Bürgerrat, Forstpräsident, Fronpräsident, Mitglied des Käsereivorstandes und bis zuletzt als Mitglied der Aufsichtsbehörde der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule Oberer Leberberg. Seine engagierte Mitwirkung prägte das öffentliche Leben von Lommiswil über Jahrzehnte hinweg.
Bis ins hohe Alter arbeitete er täglich mit auf dem Hof und lebte zuletzt im Kreis der Familie seines Sohnes Walter, wo er sich geschätzt und wohl aufgehoben fühlte.
Walter und Hanni – neue Wege für den Hof
Hugo und Maries ältester Sohn Walter Schneitter, geboren 1917, wuchs mit seinen Geschwistern auf dem Hof auf. Er heiratete später Johanna (Hanni) Zuber, die Schwester des befreundeten Bauern Hans Zuber, der den heutigen Zuber-Hof bewirtschaftete.

Im Jahr 1948 übernahmen Walter und Hanni Schneitter den elterlichen Bauernhof. Der Hof war zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand. Mit viel Fleiss, Verzicht und unternehmerischem Geschick schafften es die beiden, dem Chüemoos neuen Aufschwung zu geben und eine sichere Existenz für ihre wachsende Familie aufzubauen. Die beiden bekamen fünf Kinder: Käthy (1945), Trudy (1948), Hugo (1952), Peter (1956) und Marianne (1962).



Quelle: Hugo Schneitter




Quelle: Hugo Schneitter
Bio-Pionier und Generationenwechsel
1983 übernahm Sohn Hugo Schneitter zusammen mit seiner Frau Rita Markwalder den Hof. Sie wagten einen wichtigen Schritt und stellten den Betrieb konsequent auf biologische Landwirtschaft um – lange bevor dies zum Trend wurde.
Seit 2023 führt nun Angelo Schneitter, Sohn von Hugo und Rita, den Hof „Chüemoos“ in dritter Generation. Auch heute noch sind Hugo und Rita tatkräftig mit dabei und unterstützen die Arbeit auf dem Hof.
Der „Chüemoos“ heute
Heute ist der Chüemoos nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb, sondern auch ein Ort, an dem Geschichte, Tradition und moderne, nachhaltige Landwirtschaft Hand in Hand gehen. Die Familie Schneitter setzt sich mit viel Herzblut für eine umweltschonende und verantwortungsbewusste Bewirtschaftung des Landes ein – immer mit Blick auf die nächsten Generationen.


Quellenangabe
- Hugo Schneitter, 2025
- Marianne und Käthy Schneitter, 2010
- „Ein Lommiswiler Gesicht“, Fränzi Rütti-Saner, 8.4.2000
- Nachruf von Hugo Schneitter-Liechti, Solothurner Zeitung vom 20. Juni 1969
- Fotos „Chüemoos“ 22.11.2025: Simone Lewis
