Ortsgschichte Lommiswil

Altes Schulhaus (1923)

Inhaltsverzeichnis

Platznot und vorläufige Lösungen (1912 – 1917)

Viele Jahre lang fand der Schulunterricht in einer sogenannten „Schulstube“ statt, bis im Jahr 1814 das erste speziell für den Unterricht errichtete Gebäude an der heutigen Hauptstrasse 15 bezogen wurde.

Als die Schülerzahl 1862 weiter stieg, sah sich die Gemeinde gezwungen, ein zweites Klassenzimmer einzurichten, welches jedoch schnell an seine Kapazitätsgrenzen stiess. Auf der Gemeindeversammlung am 15. September 1917 wurde dann die Nutzung des Tanzsaals im Restaurant Rössli als drittes Klassenzimmer beschlossen. Peter von Burg erhielt dafür eine Vergütung von 300 Schweizer Franken für das Wintersemester und 250 Franken für das Sommersemester.

Lommiswiler Schulklasse am 25. Mai 1917 vor dem Restaurant Rössli.
Quelle: Jürg Burkhalter.

Entscheid für ein neues Schuhaus (Februar 1922)

Zwei Architekten – W. Adam und eines von Eugen Studer – entwarfen Pläne für das Schulhaus. Mit einer persönlichen Karte an «Bürgerschaffner» Josef Flury versuchte Studer, Einfluss auf den bevorstehenden Entscheid zu nehmen.

Karte des Architekten, Eugen Studer, an Bürgerschaffner, Josef Flury, zur Bewerbung seines Schulhaus-Bauprojekts. Vermutlich 2. Februar 1922. Quelle: Markus Flury

An der Gemeindeversammlung vom 2. Februar 1922 wurde schliesslich über Projekt und Bauleitung eines neuen Schulhauses abgestimmt. Das Resultat fiel klar aus: Von 172 anwesenden Stimmberechtigten stimmten 102 für W. Adam und Studer ging leer aus.

Nach der Änderung des ursprünglichen Standorts leicht überarbeitete Pläne des
Architekten, E. Adam, April 1922. Quelle: Staatsarchiv Solothurn

Standortabstimmung (März – Mai 1922)

Nachdem das Erziehungsdepartement im März 1922 den bisherigen Standort des Schulhauses an der Hauptstrasse 15 als ungeeignet eingestuft hatte, stand die Gemeinde vor der Aufgabe, einen neuen Bauplatz zu finden.

Unterstützt vom Kantonsbaumeister Hüsler und dem Kantonalschulinspektor, legte die Baukommission schliesslich zwei alternative Standorte vor: einerseits den „Schaadhubel“ und andererseits das Gebiet „Gass“ nördlich des Restaurants Bären.

Ursprünglich geplanter Baupatz Altes Schulhaus 1922. Quelle: Staatsarchiv Solothurn.
Karte ergänzt mit Namen der aktuellen Bewohner bzw. Nutzung der Liegenschaften im Jahre 2024.

Bei einer Abstimmung am 5. April 1922 sprach sich die Mehrheit zunächst für den Standort „Rain“ aus. Diese Entscheidung wurde jedoch bei einer weiteren Abstimmung am 29. Mai 1922 revidiert, als sich die Mehrheit für den Platz „Gass“ als Standort entschied.

Zudem wurde in derselben Versammlung beschlossen, den Herren Felix von Burg, Julius Bitzi und August Meier-Wingeier für ihre Landparzellen jeweils einen Kaufpreis von 20 Rappen pro Quadratmeter zu bezahlen.

Situationsplan Schulhaus-Neubau, April 1922. W. Adam Architekt.
Quelle: Staatsarchiv Solothurn.

Finanzierung (Juli 1922)

Am 18. Juli 1922 stimmte die Bürgergemeinde zu, 1500 Franken für die Bachkorrektur vom Dürliberg bis zum östlichen Gelände der Bürgergemeinde beizutragen – allerdings unter der Auflage, dass sie auch als Bürge für den Baukredit des neuen Schulhauses fungiert. Diesen Gemeinschaftssinn zeigte die Bürgergemeinde auch am 25. Juli 1922, als sie die Bürgschaft akzeptierte und sich verpflichtete, Bruchsteine für den Bau des Schulhauses kostenlos bereitzustellen.

Nach intensiven Diskussionen beschloss man Ende August 1922, das Wasser für das neue Schulhaus von Felix von Burg vom Höfli zu einem Preis von 200 Franken zu beziehen. Der Anschluss entstand nördlich des Anwesens von Gottfried Blunier, in der Nähe des alten Feuerwehrmagazins.

Arbeit für Lommiswils Arbeitslose

Im Jahr 1922, inmitten einer Wirtschaftskrise, waren 77 Einwohner der Gemeinde ohne Arbeit. Das Bauprojekt des Schulhauses bot in dieser schwierigen Zeit nicht nur notwendige Arbeitsstellen, sondern trug auch dazu bei, die Krise im Baugewerbe abzumildern.

Laut der abschliessenden Subventionsabrechnung, die im Rahmen der Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erstellt wurde, wurden Löhne in Höhe von insgesamt 12’000 Franken an die Arbeitslosen ausgezahlt.

Bestätigung der Anzahl Arbeitslosen in Lommiswil am 16. Februar 1922 durch „Gemeindestelle für Arbeitslosenfürsorge Lommiswil“.

Aufrichtfeier im Bären (9. September 1922)

Am 9. September 1922 fand im Restaurant Bären (Wirt: August Meier-Wingeier) die Aufrichtfeier statt. Für die Verpflegung der 53 Gäste – Suppe, Wurst und Brot – wurden pro Kopf 90 Rappen berechnet, was in der Summe 47.70 Franken ergab.

Auch bei den Getränken wurde nicht gespart: Es flossen 44 Liter Weisswein zu je 2.50 Franken und 24 Liter Rotwein zu je 2 Franken. Zum Ausklang des Festes gab es für 15 Gäste noch Kaffee zu 60 Rappen die Tasse, was gesamthaft 9 Franken ausmachte. Die fröhliche Stimmung hielt an und das Fest ging bis in die späte Nacht hinein.

Bauarbeiten 1922-1923. Quelle: Marlis Bähler

Abschlussarbeiten (März – Mai 1923)

In den Monaten nach der Feier, von März bis Mai 1923, wurden wichtige Abschlussarbeiten am Gebäude vorgenommen. Die Firma Eberhard & Jaggi sorgte für die elektrische Installation, während Peter Adam für die Anbringung der Türpuffer verantwortlich war.

Der erste Abwart wird gewählt

Bei der Gemeindeversammlung am 29. März 1923 wurde Ferdinand Meier-Gfeller als erster Hauswart des neuen Schulhauses gewählt.

J. Wingeier reichte für die Hauswartdienste, die er zwischen dem 2. Februar 1923 und dem 1. Mai 1923 ausführte, eine Rechnung über 130.50 Franken ein. Herr Kölliker vom Hochbauamt erklärte dazu, dass dieser Betrag speziell für das Austrocknen des Gebäudes ausgezahlt wurde.

Einweihungen (Juni 1923)

Am 17. Juni 1923 wurde das neue Schulhaus mit einer kirchlichen Zeremonie eingeweiht.

Die geplante weltliche Feier musste wegen schlechten Wetters auf den 24. Juni 1923 verlegt werden. An diesem Tag konnten die Festlichkeiten bei wunderbarem Sommerwetter abgehalten werden, an denen die Musikgesellschaft Lommiswil, Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Mitglieder der Gemeinde teilnahmen.

Einweihung Schulhaus Neubau, 17. Juni 1923. Quelle: Postkarte im Besitz von Simone Lewis

Endabrechnung (Juli 1924)

Die Bauabrechnung des Architekten W. Adam wurde wie folgt aufgestellt:

A. Schulhaus-NeubauCHF 176’464.25
B. Total UmgebungCHF 18’281.85
C. Mobiliar und DiversesCHF 8’768.95
D. Total LandkaufCHF 9’395.10
Total BaukostenCHF 212’910.15
Aus „Lommiswil – Die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt“
vom Erhard Flury, 1992, Seite 280.
Finale Subventionsabrechnung (Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit), 30. Juli 1924. Quelle: Staatsarchiv Solothurn, Sig. N396

Impressionen 2023

Der Brunnen mit der Inschrift des Baujahrs des Schulhauses, 1923. Foto: Simone Lewis
Schulhaus im Dezember 2023. Foto: Simone Lewis

Quellenverzeichnis

  • Beschriebenen historischen Ereignisse und Bauabrechnung: Buch „Lommiswil, die Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt“, Erhard Flury, 1992, Seiten 279 und 280
  • Schulklasse von 1917: Jürg Burkhalter, Lommiswil
  • Lagepläne, Bestätigung Arbeitslose 1922, Subventionsformulare: Staatsarchiv Solothurn
  • Foto Bauarbeiten 1922/23: Marlis Bähler