Inhaltsverzeichnis
- Kinder- und Jugendjahre
- Kriegsjahre
- Familiengründung
- Politik
- Walter, der Vielleser
- Die späteren Jahre
- Schicksalsschläge
- Quellenverzeichnis
Kinder- und Jugendjahre
Die Familie Schneitter stammte ursprünglich aus Biberist und wurden ums Jahr 1740 in Lommiswil ansässig.
Walter Schneitter wurde im September 1917 als erstes Kind von Marie Schneitter geb. Liechti und Hugo Schneitter im ‚Chüemoos‘ in Lommiswil geboren. Zusammen mit den Schwestem Trudy und Hedy sowie dem Bruder Ernst wuchs er auf dem elterlichen Bauemhof auf. Ein weiterer jüngerer Bruder ist im Alter von drei Jahren im Bussletenbach ertrunken. Zur Grossfamilie gehörte die Grossmutter väterlicherseits sowie Cousinen und Cousins, die vorübergehend im ‚Chüemoos‘ eine Bleibe fanden.
Aufgrund der familiären Umstande musste Walter als Ältester bereits als Junge auf dem Bauernhof tatkäftig mitarbeiten und viel Verantwortung tragen. Von Kindesbeinen an war er mit dem Land und den Tieren sehr verbunden.
Er besuchte die Primarschule in Lommiswil, die Bezirksschule in Selzach und anschliessend die landwirtschaftliche Schule Wallierenhof in Riedholz. Walter war zwar ein guter Schüler, aber er sass eher widerwillig in der Schulbank. Er sagte, er habe eigentlich keine Zeit dafür gehabt, da er praktisch sein ganzes Leben schon berufstätig war.

Auf Wunsch seiner Grossmutter hat er in der Kirche als Ministrant gedient. Die Messen waren in Lateinisch gelesen worden und er hat kaum etwas verstanden davon – vielleicht mit ein Grund dafür, warum ihm die Aufgabe nicht wirklich Freude bereitet hat.
Als junger Mann fand er im Turnverein Lommiswil nicht nur sportliche Tätigkeit, sondern auch lebenslange Kameraden.
Kriegsjahre
Die Jahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte Walter 800 Tage in der Grenadierkompanie, hauptsächlich im Raum Basel. Im Vergleich zum strengen Alltag zu Hause auf dem Bauernhof, empfand der diese Zeit als eine Art Befreiung. Walter genoss es, einmal aus dem Dorf raus zu kommen und mit jungen Männern aus verschiedenen Gegenden und unterschiedlichster Herkunft zusammen zu sein. Mit einigen Kameraden aus der Aktivdienstzeit pflegte Walter bis ins Alter den Kontakt.
Familiengründung
Während der Kriegsjahre lernte er auch Hanni Zuber kennen und lieben. Sie war die Schwester eines befreundeten Bauern im Dorf, der Ende der dreissiger Jahre aus Flumenthal zugezogen war. Die Heirat war zum Teil arrangiert zwischen dem Bruder der Braut und einem Cousin des Bräutigams. Trotzdem mangelte es nicht an Zuneigung und Respekt füreinander.



Dem Ehepaar Schneitter-Zuber wurden 1945 Käthy, 1948 Trudy, 1952 Hugo, 1956 Peter und 1962 Marianne geboren.
1948 übernahmen Walter und Hanni den heruntergekommenen elterlichen Bauernhof. Sie arbeiteten hart und wirtschafteten klug, um eine sichere Existenz für sich und ihre Kinder aufzubauen. „Ich bewirtschaftete damals rund 18 ha Land. Das war ein anständiger Mittelbetrieb“, erzählte Walter.
Das Ehepaar war mit Leidenschaft Bauer und Bäuerin und empfanden Stolz für ihren Berufsstand. Sie stellten hohe Anforderungen an ihre Kinder: Sie sollten mit anpacken, Verantwortung übernehmen, lernen und darauf achten, dass sowohl Mädchen als auch Jungen ihr volles Potenzial entfalten konnten.
Politik
Walter war von grossem politischem Interesse geprägt. Schon im Alter von 22 Jahren begann er zu politisieren, was in der freisinnigen Bauernfamilie üblich war.
Über Jahrzehnte hinweg engagierte sich Walter in verschiedenen öffentlichen Ämtern in der Gemeinde Lommiswil. Anfangs der Fünfzigerjahre wurde Walter zum Gemeindeschreiber ernannt, wofür er das Maschinenschreiben lernen musste. Die Leute kamen am ‚Füürobe‘ zu ihm auf den Bauernhof, um ihre Geschäfte zu erledigen. Viel zu organisieren gab es damals in Lommiswil. Die Wasserversorgung wurde gebaut, neue Strassen erstellt, die Güterzusammenlegung vorangetrieben.
1958 wurde Walter zum Bürgerammann gewählt, ein Amt, das er 23 Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung mit Leib und Seele ausführte. So war Walter bei vielen wichtigen Entscheidungen in Lommiswil direkt dabei. „Wir haben damals alles, was es heute gibt, „z’Fade geschlage“, erzählte er im Jahr 2000. „Und auch wenn wir uns im Gemeinderat nicht immer einig waren, so haben wir doch immer noch nach der Sitzung einen Jass geklopft.“
Darüber hinaus war Walter im Vorstand der landwirtschaftlichen Genossenschaft tätig und Mitglied der freisinnigen Partei.
Walter, der Vielleser
Doch Walters wahre Leidenschaft galt dem Lesen. Täglich widmete er sich Zeitungen, Büchern und Zeitschriften – sei es Politisches, Historisches oder Romane. Besonders erinnern sich seine Kinder an die Sonntage, an denen er vormittags mit Zweifingersystem auf seiner alten Schreibmaschine für die Bürgergemeinde arbeitete und sich nachmittags in seinen Lehnstuhl zurückzog, ein Buch vor der Nase. Er liess sich nicht stören, bis es Zeit war, um fünf Uhr in den Stall zu gehen.

Die späteren Jahre
Mit 65 Jahren übergab Walter den Hof an seinen Sohn Hugo und begann ein neues Kapitel seines Lebens. Zusammen mit seiner Frau und der ältesten Tochter baute er 1986 ein Haus, nicht weit vom Hof weg, wo sie die letzten Jahre verbrachten.
Grosse Freude hatte Walter an seinen Grosskindern. Als kleine Kinder haben sie sämtliche Narrenfreiheiten genossen beim ihm, als sie älter wurden, hat er sich immer interessiert dafür, was sie machen, wie sie denken und hat sich nicht zurückgehalten, alles aus seiner Warte heraus zu kommentieren.
Schicksalsschläge
Im Jahr 1993 verstarb seine zweite Tochter Trudy an Krebs, ein Verlust, der Walter bis zu seinem Lebensende beschäftigte. Kurz darauf erkrankte seine Ehefrau schwer und musste während der letzten zwölf Jahre ihres Lebens dreimal wöchentlich zur Dialyse ins Bürgerspital.
Nach und nach hat Walter aufgrund ihrer Schwäche die Hausarbeit übernommen und alles gelernt, was ein guter Hausmann so können muss. Gerne erinnern sich seine Tochter aus Basel und ihre Familie an die monatlichen Sonntagsmittagessen, die er gekocht hat: feine Cotelettes gab es, selbst gemachte Pommes-Frites oder gelegentlich Nudeln. Und nirgendwo waren die Nudeln so ,,jenseits von al dente“ wie beim Grossvater.
Walter selber litt seit Längerem an einer Lungenkrankheit, die ihn körperlich zunehmend beeinträchtigte. Dennoch – an einem Seniorennachmittag oder gar beim Altersturnen traf man Walter nie an: „Da hat es nur alte Leute“.
Glücklicherweise wohnte seine älteste Tochter Käthy – frühzeitig pensioniert und zurück nach langem Auslandsaufenthalt – die letzten drei Jahre im selben Haus im oberen Stockwerk, wodurch er in der letzten schwierigen Zeit von ihr und der Spitex die nötige Unterstützung im Alltag erfuhr.
Bis kurz vor seinem Tod war er geistig wach und zeigte ein lebhaftes Interesse an der Welt sowie daran, ob seine Jungen wohl alles richtig (das heisst, in seinem Sinne) machten. Mit grosser Neugierde, viel Wohlwollen und gelegentlicher Kritik verfolgte er aufmerksam die Wege seiner Enkelkinder.
„Ich lebe auch heute noch gerne in Lommiswil, auch wenn sich vieles verändert hat. Die Leute grüssen sich noch im Dorf. Früher wurden die Lommiswiler als eigensinnig bezeichnet und es gab Rivalitäten zwischen den Nachbarsdörfern. Aber heute gibt es das nicht mehr.“
Walter Schneitter, 2000

In den letzten Jahren seines Lebens zog sich Walter immer mehr zurück. Er litt unter körperlichen Beschwerden, war häufig seelisch bedrückt und äusserte, wie müde er sich fühlte. Am 12. August 2010 durfte er schliesslich im Altersheim Bellevue in Oberdorf friedlich einschlafen.
Unvergessen sind seine Treue dem Seinen und den Seinen gegenüber, seine Weltoffenheit, sein gutes Herz und sein wunderbarer Humor.
Quellenverzeichnis
- Text: Marianne und Käthy Schneitter, 2010
- Fotos: Käthy Schneitter
- „Ein Lommiswiler Gesicht“, Fränzi Rütti-Saner, 8.4.2000
