Ortsgschichte Lommiswil

Peter Bichsel (1935 – 2025)

Inhaltsverzeichnis


Ein überraschender Bezug zu Lommiswil

Der Schriftsteller Peter Bichsel gehört nicht zu den Persönlichkeiten, die man spontan mit Lommiswil verbindet. Und doch gibt es einen bemerkenswerten Bezug zu unserem Dorf: Bichsel war in jungen Jahren als Primarlehrer in Lommiswil tätig.

Vom Schulzimmer in die Schweizer Literatur

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs ab 1941 in Olten auf. Von 1951 bis 1955 besuchte er das Lehrerseminar in Solothurn. Anschliessend arbeitete er von 1955 bis 1968 als Primarlehrer in den Solothurner Gemeinden Lommiswil und Zuchwil. Damit fällt seine Lommiswiler Lehrerzeit in jene frühen Jahre, in denen er auch erste literarische Texte veröffentlichte.

Der literarische Durchbruch gelang Bichsel 1964 mit dem Prosaband Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen. Ein Jahr später, 1965, erhielt er den Preis der Gruppe 47. Aus dem jungen Lehrer aus dem Kanton Solothurn wurde einer der bekanntesten Schweizer Schriftsteller der Nachkriegszeit.

Das Klassenfoto als Zeitdokument

Das abgebildete Klassenfoto der 7. und 8. Klasse der Oberstufe Lommiswil mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 1941 und 1942 lässt sich zeitlich in die frühen Lehrerjahre Peter Bichsels einordnen.

Schulklasse Lommiswil, 7 und 8 Oberstufe, Jg 1941 und 1942, mit Lehrer Peter Bichsel. Foto Dupan Central Photo Service Thun

Ein „Bomben-Lehrer“

Peter Bichsel war damals selbst noch sehr jung – nur wenige Jahre älter als seine Schülerinnen und Schüler. Gerade diese Nähe im Alter dürfte das Verhältnis zu seiner Klasse in besonderer Weise geprägt haben. Die ehemalige Schülerin Susi Meier-Burkhalter, die ebenfalls auf dem Klassenfoto zu sehen ist, erinnert sich bis heute lebhaft an ihn: «Peter Bichsel war ein Bomben-Lehrer. Was wir in diesen zwei Jahren bei ihm gelernt haben! Bichsel war ein Lehrer, der uns alles beibringen konnte! Wir wären für ihn durchs Feuer gegangen – und er ebenso für uns!»

Ein Aufbruch im Schulalltag

Diese persönliche Erinnerung zeigt Peter Bichsel als jungen, offenen und fortschrittlichen Lehrer, der seine Schülerinnen und Schüler erreichte, sie ernst nahm und eine aussergewöhnlich starke Verbundenheit zu ihnen aufbaute. Für die Lommiswiler Kinder und Jugendlichen bedeutete dies einen markanten Bruch mit dem bisherigen Schulalltag.

Viele der alteingesessenen Lehrpersonen in Lommiswil – einige unterrichteten mehr als 50 Jahre lang! – galten als streng, altmodisch und pädagogisch wenig zeitgemäss; einzelne wurden von ehemaligen Schülerinnen und Schülern sogar als hart oder brutal erlebt. Auch fachlich scheint der Unterricht nicht immer überzeugt zu haben: Familien mit mehreren Kindern stellten etwa fest, dass Drittklässler teilweise dieselben Aufgaben lösen mussten wie Fünftklässler. Vor diesem Hintergrund muss Bichsels Unterricht für viele Schülerinnen und Schüler wie ein Aufbruch gewirkt haben – lebendig, zugewandt und modern auf eine Art, wie sie ihn bis dahin kaum kannten.

Der Lehrberuf als Inspiration

Die Schule blieb für Bichsel auch später ein wichtiges Thema. In frühen Texten und im Film Unser Lehrer von 1971 setzte er sich mit der Rolle der Lehrperson, dem Schulalltag und der Aufgabe der Schule in der Gesellschaft auseinander. Seine Erfahrungen als Primarlehrer bildeten damit nicht nur eine berufliche Station, sondern auch einen wichtigen Hintergrund für sein späteres Wirken als Schriftsteller.

Kleine Widersprüche des Alltags

Ein weiterer kleiner lokaler Bezug findet sich in einer später von Bichsel erzählten Begebenheit aus Lommiswil. Er erinnerte sich an Ernst Noth, den Inhaber der Spezereihandlung und Mitglied der Schulkommission. Noth habe sich über Schüler geärgert, die auf dem Schulweg rauchten, ihnen aber gleichzeitig in seinem Laden Zigaretten stückweise verkauft. Solche Beobachtungen aus dem Alltag zeigen jenen Blick für kleine Widersprüche, wie man ihn später auch in Bichsels Texten wiederfindet.

Peter Bichsel, 2015. Foto: Sprachsalz Literaturfestival, CC BY 2.0

Peter Bichsel starb am 15. März 2025 in Zuchwil. In Erinnerung bleibt er als Schriftsteller, Kolumnist und genauer Beobachter des Alltags. Für Lommiswil ist seine Lehrerzeit eine besondere Episode der Dorfgeschichte: Der junge Lehrer hinterliess bei seinen Schülerinnen und Schülern bleibende Spuren, lange bevor er als Autor weit über die Schweiz hinaus bekannt wurde. So ist auch unser Dorf Teil der frühen Lebensgeschichte dieses bedeutenden Schweizer Schriftstellers.


Quellenangaben

Fotos

Inhalte

  • Büro Bichsel: «Lebensdaten von Peter Bichsel (1935–2025)». Die Lebensdaten nennen für die Jahre 1955–1968 seine Tätigkeit als Primarlehrer in Lommiswil und Zuchwil.
    https://www.buerobichsel.ch/de/bichsel/lebensdaten, besucht am 5. Juli 2026.
  • Büro Bichsel: «Schule weiter denken mit Peter Bichsel». Das Dossier bestätigt die Tätigkeit als Primarlehrer von 1955 bis 1968 in den Solothurner Gemeinden Lommiswil und Zuchwil und ordnet Bichsels Lehrerfahrung in sein Nachdenken über Schule ein.
    https://www.buerobichsel.ch/de/museum/schule, besucht am 5. Juli 2026.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Franziska Kolp: «Bichsel, Peter», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30. Oktober 2025. Biografische Referenzquelle zu Leben, Werk und Tod Peter Bichsels.
    https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011554/2025-10-30/, besucht am 5. Juli 2026.
  • Zeitzeugin: Susi Meier-Burkhalter, ehemalige Schülerin von Peter Bichsel in Lommiswil; mündliche Mitteilung an die Verfasserin, 5. Juli 2026.