Ortsgschichte Lommiswil

Melioration der Allmend (1921 – 1923)

Inhaltsverzeichnis


November 1921: Das Hauptprojekt

Projektumfang und Zweck

Um einer hohen Arbeitslosigkeit infolge einer Krise in der Uhrenindustrie entgegenzuwirken, beschloss die Bürgergemeindeversammlung am 16. November 1921, auf der Allmend der Bürgergemeinde Lommiswil ein „Meliorationsprojekt“ (Räumungs- und Planierungsarbeiten) durchzuführen. Das Projekt wurde als Notstandsarbeit deklariert.

Auf einem 33 Hektar grossen Gebiet auf der Allmend sollten unregelmässig verstreute Haselsträucher, Dornen, Steinhaufen und Felsblöcke geräumt werden. Ebenso sollte die bestehende, unvorteilhafte Einteilung von 90 Parzellen durch eine modernere, zweckmässigere Parzellierung in Rechtecksform ersetzt werden. So waren einige Parzellen bei einer Länge von 350 Meter kaum 10 Meter breit oder durch Feldwege und Gräben zerschnitten.

Ein Graben, der das Gebiet von Westen nach Osten weitläufig durchschnitten hat, sollte korrigiert werden.

Da für diese Arbeiten – mit Ausnahme von gelegentlichen Sprengungen – keine ausgebildeten Facharbeiter nötig waren, eigneten sie sich hervorragend, um ungelernte Arbeitslose zu beschäftigen. Am 25. Dezember 1921 waren bei der Gemeindestelle für Arbeitslosenfürsorge Lommiswil 70 Arbeitslose gemeldet.

Der Kostenvoranschlag für dieses erste Projekt lag bei 43’000 Franken.

Arbeitsbedingungen

Am Beginn des Projekts im Februar 1922 wurden rund 80 Arbeiter beschäftigt, die in vier Arbeitergruppen mit je einem Vorarbeiter eingeteilt waren.

Für die eingesetzten Arbeitslosen galten straffe Vorgaben: Der Bürgerrat ordnete im Juli 1922 an, dass die Arbeitszeit von 9 Uhr bis 16 Uhr dauerte, wobei den Arbeitern strikt nur eine einzige 10-Minuten-Pause eingeräumt wurde (2).

Der „Graustein“ wird gesprengt

Ein besonderes Hindernis während der Räumung stellte ein mächtiger Findling namens «Graustein» dar. Mündlichen Überlieferungen zufolge befand sich dieser genau beim Zusammentreffen der Türibergstrasse und der Katzentürlistrasse und stellte ein erhebliches Hindernis dar. Der Granitblock wurde vom Sprengmeister Josef Flury-Moll gesprengt (vgl. „Kostenzusammenstellung nach Belegen“, Seite 2: Lohn von Fr. 12.10). Die dadurch gewonnenen Steinstücke wurden direkt weiterverwendet und in die neuen Feldwege eingefüllt, welche zuvor mit Ross und Pflug ausgefahren (ausgehoben) worden waren.

Neben einzelnen grossen Findlingen wie dem Graustein gab es auf der Allmend eine gewaltige Menge an kleineren Steinen. Die Akten sprechen von etwa 2’000 Kubikmetern Steinhaufen, die im Laufe der Zeit von den Landwirten auf verschiedenen Plätzen zusammengetragen worden waren und die Bewirtschaftung stark behinderten.

Frühling 1922: Das Ergänzungsprojekt

Während der Bauausführung wurde das Projekt um wesentliche Elemente erweitert. Ein Bach, der zu Hochwasserzeiten eine grosse Wassermenge führte, und regelmässig zu Rutschungen und Grabeneinstürzen führte, wurde in Zementrohre eingedolt.

Zudem wurden der Ausbau von Wegen und ein neuer Querweg zur besseren Erschliessung der neuen Parzellen geplant.

Für diese Ergänzungsarbeiten, für die das Ingenieurbüro Walther Strüby aus Solothurn im Januar 1922 den Zuschlag erhielt, wurden nochmals 24’000 bis 25’000 Franken veranschlagt.

Arbeitsbeschaffung und Finanzierung

Die Arbeiten dauerten von Februar bis Dezember 1922 an und wurden technisch einwandfrei ausgeführt. Die finale Bauabrechnung nach Belegen vom März 1923 wies Gesamtkosten von 69’699.25 Franken auf.

Im „Bericht zur Kollaudation“ vom 18. April 1923 werden Subventionen von 39’818 Franken durch Bund und Kanton Solothurn aufgeführt, die sowohl einen prozentualen Anteil der reinen Baukosten als auch Zuschläge auf die Lohnsummen der beschäftigten Arbeitslosen abdeckten. Die verbleibenden Kosten von 29’882.15 Franken wurden von der Bürgergemeinde Lommiswil getragen.

Auszug aus „Kostenabrechnung nach Belegen“ für Räumungs- und Planierungsarbeiten in Lommiswil, Ingenieur-Bureau Walther Strüby Solothurn, März 1923. Staatsarchiv Solothurn

Kostenabrechnung der Ergänzungsarbeiten durch Walther Strüby, April 1922

Kostenabrechnung nach Belegen, März 1923

Subventionsabrechnung Arbeitslosengeld, 5. Juli 1923

Subventionsabrechnung Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Säuberung der Allmend Lommiswil, 5. Juli 1923. Staatsarchiv Solothurn

Situationspläne und Karten

Ergänzt werden die textlichen Akten durch diverse detaillierte Situationspläne und Karten (Massstab 1:1000), welche die genauen Flächen, die neu gezogenen Wege, die Entwässerungsschächte und die Rohrleitungen visuell dokumentieren.

Situation vorher

Staatsarchiv Solothurn

Situation nach Arbeiten

Karte „Nachher“, Räumungs- und Planierungsarbeiten Allmend, April 1922, Ing. Bureau Walther Strüby Solothurn. Staatsarchiv Solothurn

Spätere Entwicklungen (1943/1944)

Als historische Ergänzung zu den Meliorationen der 1920er-Jahre zeigen die Akten aus dem Staatsarchiv Solothurn auf, dass die Allmend in den Jahren 1943 und 1944 nochmals umgestaltet wurde.

Im Nordwesten der Allmend wurden in der „Grasrütti“ weitere 2,37 Hektar Schutzwald gerodet. Diese Massnahme, die Kosten von Fr. 21’433 verursachte, diente als Beitrag der Gemeinde zur sogenannten «Anbauschlacht» während des Zweiten Weltkriegs (2).

Infografik

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Quellenverzeichnis

  • Staatsarchiv Solothurn: Projektakte Meliorationsprojekt Allmend – Im Holz, 1921 – 1923, Signatur N 38
  • (2) Flury, Erhard (1992): Lommiswil – Geschichte eines Dorfes am Fusse der Hasenmatt. Herausgeber: Bürgergemeinde Lommiswil. Seiten 249 – 253