Ortsgschichte Lommiswil

MGL 1914 – 1918: Zwischen Kriegsruf & Vereinstreue

Stellen Sie sich einen warmen Augusttag im Jahr 1914 vor. In Lommiswil läuten die Glocken – doch es ist kein gewöhnlicher Festtag. Es ist der 1. August 1914, und was durch das Dorf hallt, ist das „Freudengeläute der Kriegsruf“. Für die Musikgesellschaft Lommiswil markiert dieser Tag den Beginn einer der schwierigsten Phasen ihrer damals 34-jährigen Geschichte.

Der Stillstand (1914 – 1916)

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs änderte sich das Vereinsleben schlagartig. Ein Grossteil der Musikanten musste sofort ausziehen, um das Vaterland zu schützen. Durch die fortwährenden Einberufungen zum Militärdienst war an einen geordneten Probe- oder Konzertbetrieb nicht mehr zu denken. Die Instrumente blieben meist stumm; ausser einigen Platzkonzerten und gelegentlichen Marschübungen wurde in den Jahren 1915 und 1916 „nichts Wesentliches geleistet“.

Interne Krisen inmitten des Krieges (1917)

Zusätzlich zur äusseren Bedrohung kam es 1917 auch zu internen Zerreissproben. Eine Totalrevision der Statuten führte zu neuen Konflikten: Wer die Unterschrift unter das neue Regelwerk verweigerte, dessen Handeln wurde als Austritt gewertet.

Besonders schmerzhaft war der Rücktritt von Direktor Wilhelm Flury im September 1917. Er weigerte sich strikt, einen schriftlichen Vertrag zu unterzeichnen, und liess sich trotz langer Verhandlungen nicht umstimmen. In dieser kritischen Phase übernahm Emil Mollet die Leitung zunächst provisorisch, bevor er im Januar 1918 definitiv zum Direktor gewählt wurde, ein Amt, das er mit Unterbrüchen insgesamt 15 Jahre lang prägen sollte.

Das bittere Ende und die „unselige Grippe“ (1918)

Als das „unmenschliche Völkermorden“ im Dezember 1918 endlich endete, war die Erleichterung gross, doch der Preis war hoch. Nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges lasteten auf der Gemeinschaft, sondern auch eine globale Pandemie.

Die Musikgesellschaft beklagte den Verlust ihres Kameraden Fritz Burkhalter, der am 16. Juli 1918 während seines Militärdienstes an der „unseligen Grippe“ (Spanische Grippe) verstarb. Der Verein begleitete ihn am 18. Juli 1918 „in corpore“ auf seinem letzten Weg.

Der Blick nach vorn: Neuanfang 1919

Trotz aller Entbehrungen war der Wille zum Weitermachen ungebrochen. Ende 1918 zählte die Gesellschaft noch 22 Aktivmitglieder. Mit neuer Energie galt es nun, den Verein wiederaufzubauen. Bereits 1919 wurde in die Zukunft investiert: Man kaufte 40 alte Kavallerie-Waffenröcke aus dem Zeughaus Bern, um sie zu neuen Uniformen umarbeiten zu lassen.

Musikgesellschaft Lommiswil nach 1920 mit Dirigent Emil Mollet. Quelle: Marlis Bähler

Die Jahre des Ersten Weltkriegs zeigten deutlich: Die MG Lommiswil war mehr als nur eine Kapelle – sie war ein Spiegelbild der Zeit, das trotz Verlusten, Mobilmachung und internen Streitigkeiten das „Ideal der Volksmusik“ nie ganz aus den Augen verlor.


Quellenangabe:

  • Titelfoto: Musikgesellschaft Lommiswil um ca. 1914. Quelle: Rita Iseli-Burkhalter
  • „Musikgesellschaft Lommiswil (Hrsg.): Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Musikgesellschaft Lommiswil, 1880–1930“. Solothurn: Buchdruckerei Rüegger & Flury, 1930. Seiten 27, 28 und 47.

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